04.06.2018

PRO ASYL for­dert die rote Kar­te für Orbán und Soli­da­ri­tät mit der unga­ri­schen Zivil­ge­sell­schaft  

Heu­te wird die aktu­el­le Fas­sung des soge­nann­ten »Stop Soros«-Gesetzespakets im Unga­ri­schen Par­la­ment debat­tiert. Es han­delt sich dabei um einen Fron­tal­an­griff auf das Asyl­recht und die unga­ri­sche Zivil­ge­sell­schaft. Ver­tei­di­gern von Men­schen- und Flücht­lings­rech­ten droht auf­grund ihrer Arbeit künf­tig die Inhaf­tie­rung.

Der neue Gesetz­ent­wurf wür­de den unga­ri­schen Behör­den erlau­ben, jeden Asyl­an­trag als »unzu­läs­sig« abzu­leh­nen, wenn die Schutz­su­chen­den nicht direkt aus ihren Her­kunfts­län­dern, wie Syri­en, Afgha­ni­stan oder Soma­lia,  ein­ge­reist sind. Die Mög­lich­keit, in Ungarn Asyl zu bean­tra­gen, wur­de bereits bis­her gna­den­los ein­ge­schränkt. Im Sep­tem­ber 2015 errich­te­te Ungarn einen Zaun an sei­ner Gren­ze zu Ser­bi­en und Kroa­ti­en. In die dort ein­ge­bau­ten Tran­sit­zo­nen wird seit Janu­ar 2018 pro Tag nur einer Per­son Ein­lass gewährt. Im Febru­ar 2018 wur­den gera­de ein­mal 56 Asyl­an­trä­ge regis­triert. Völ­ker­rechts­wid­ri­ge Zurück­wei­sun­gen wur­den lega­li­siert. Allei­ne im Jahr 2017 haben unga­ri­sche Beam­te über 20.000 Men­schen zurück­ge­wie­sen oder ihnen den Zutritt zu unga­ri­schem Ter­ri­to­ri­um ver­wehrt.

Für die­je­ni­gen, die es nach Ungarn geschafft haben, stellt das »Hun­ga­ri­an Hel­sin­ki Com­mit­tee« (HHC) die ein­zi­ge kos­ten­lo­se Rechts­ver­tre­tung dar. Ihre Arbeit wur­de bereits im letz­ten Jahr durch die unga­ri­schen Behör­den mas­siv erschwert. So dür­fen sie die Tran­sit­zo­nen nur noch betre­ten, wenn ein Asyl­su­chen­der dies expli­zit for­dert. Das heißt, eine der weni­gen Optio­nen, die fata­le men­schen­recht­li­che Lage in die­sen Zonen zu doku­men­tie­ren, wur­de gra­vie­rend ein­ge­schränkt. Mit dem neu­en Gesetz­ent­wurf geht die unga­ri­sche Regie­rung einen Schritt wei­ter: Die Beob­ach­tung der Men­schen­rechts­si­tua­ti­on soll mit einer Gefäng­nis­stra­fe geahn­det wer­den.

PRO ASYL for­dert die  Par­tei­vor­sit­zen­den von CDU/CSU und den Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der Euro­päi­schen Volks­par­tei auf, end­lich unmiss­ver­ständ­lich Stel­lung zu bezie­hen. Vic­tor Orbán hat mit sei­ner ras­sis­ti­schen, anti­se­mi­ti­schen und flücht­lings­feind­li­chen Poli­tik bereits alle roten Lini­en über­schrit­ten. Mit dem  jetzt ein­ge­brach­ten Geset­zes­pa­ket soll jeg­li­che Oppo­si­ti­on zum Schwei­gen gebracht wer­den. Falls der unga­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent die­ses Geset­zes­pa­ket nicht zurück­zieht, wie es das Flücht­lings­kom­mis­sa­ri­at der Ver­ein­ten Natio­nen und die Men­schen­rechts­be­auf­trag­te des Euro­pa­ra­tes for­dern, muss die Fidesz-Par­tei aus der Fami­lie der Euro­päi­schen Volks­par­tei aus­ge­schlos­sen wer­den. Außer­dem ist ange­sichts der »schwer­wie­gen­den und anhal­ten­den Ver­let­zung« der EU-Grund­wer­te in Ungarn ein Ver­fah­ren nach Arti­kel 7 ein­zu­lei­ten. Umfang­rei­che Sank­tio­nen  gegen das Regime Orbán sind drin­gend gebo­ten.

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