29.01.2026

In einem gemein­sa­men State­ment wer­fen PRO ASYL, med­ico inter­na­tio­nal und das Migra­ti­ons­for­schungs­netz­werk krit­net der Bun­des­re­gie­rung vor, ihre Abschie­be­po­li­tik über den Schutz von Men­schen­le­ben zu stel­len und dabei auch noch eige­ne Auf­nah­me­zu­sa­gen zu miss­ach­ten – trotz Krieg, Ter­ror und mas­si­ver Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in zahl­rei­chen Herkunftsländern.

„Wer Men­schen in Län­der abschiebt, in denen Krieg, Ter­ror und mas­si­ve Unter­drü­ckung herr­schen, nimmt schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen bil­li­gend in Kauf. Die­se Abschie­bung-um-jeden-Preis-Poli­tik wird immer radi­ka­ler und gefähr­det immer mehr Men­schen­le­ben“, erklärt Tareq Alaows, flücht­lings­po­li­ti­scher Spre­cher von PRO ASYL.

In dem heu­te ver­öf­fent­lich­ten State­ment kri­ti­sie­ren PRO ASYL, med­ico inter­na­tio­nal und krit­net die Abschie­bun­gen in Kriegs- und Kri­sen­ge­bie­te wie Syri­en, Afgha­ni­stan und den Iran sowie die Tat­sa­che, dass auch Jesid*innen in den Irak abge­scho­ben wer­den – trotz Mas­sa­ker, pre­kä­rer Sicher­heits­la­ge und schwers­ten Menschenrechtsverletzungen.

In Syri­en grei­fen Trup­pen der soge­nann­ten Über­gangs­re­gie­rung mit isla­mis­ti­schen Mili­zen (HTS) die kur­di­sche Selbst­ver­wal­tung an, beglei­tet von Mor­den, Lei­chen­schän­dun­gen und grau­sa­men Hin­rich­tun­gen. Nach dem erzwun­ge­nen Rück­zug der kur­di­schen SDF wur­den Gefäng­nis­se geöff­net, in denen Mit­glie­der der Ter­ror­mi­liz „Isla­mi­scher Staat“ saßen: Radi­ka­li­sier­te Kämp­fer kamen frei. Die­se Gewalt erin­nert an frü­he­re HTS-Mas­sa­ker an Drus*innen und Alawit*innen im ver­gan­ge­nen Jahr.

Zugleich ver­han­delt der deut­sche Bun­des­kanz­ler mit dem ehe­ma­li­gen HTS-Füh­rer und heu­ti­gen Über­gangs­prä­si­den­ten al-Scha­raa über Abschie­be­deals – statt die Men­schen­rech­te zu ver­tei­di­gen. Das ist ein men­schen­recht­li­cher Bankrott.

Im Iran wur­den ver­mut­lich allein an zwei Pro­test­ta­gen bis zu 30.000 Men­schen ermor­det, Tau­sen­de wei­te­re kom­men hin­zu. Zwar haben eini­ge Bun­des­län­der ange­sichts die­ser Nach­rich­ten bereits einen Abschie­be­stopp erlas­sen (wie Rhein­land-Pfalz, Schles­wig-Hol­stein, Bran­den­burg, Saar­land und Nord­rhein-West­fa­len), jedoch längst nicht alle. Was es braucht, ist ein umfas­sen­der bun­des­wei­ter Abschie­be­stopp in den Iran.

Der Geno­zid an Jesid*innen im Irak wur­de vom Deut­schen Bun­des­tag vor drei Jah­ren par­tei­über­grei­fend aner­kannt, doch die­se Soli­da­ri­tät bleibt fol­gen­los, solan­ge sie sich nicht im tat­säch­li­chen Schutz von Jesid*innen in Deutsch­land wider­spie­gelt – denn allein im ers­ten Halb­jahr 2025 wur­den 328 Men­schen, dar­un­ter auch Jesid:innen, in den Irak abgeschoben.

Die Bun­des­re­gie­rung schiebt aber nicht nur in gefähr­li­che Län­der ab, sie bricht auch eige­ne Auf­nah­me­zu­sa­gen, die sie beson­ders gefähr­de­ten Schutz­su­chen­den aus Afgha­ni­stan gege­ben hat – und bringt damit die­se Schutz­su­chen­den, dar­un­ter Orts­kräf­te und beson­ders gefähr­de­te Menschenrechtsverteidiger*innen, in kon­kre­te Lebensgefahr.

PRO ASYL for­dert gemein­sam mit med­ico inter­na­tio­nal und dem Migra­ti­ons­for­schungs­netz­werk kritnet:

• Kei­ne Abschie­bun­gen nach Syri­en, Afgha­ni­stan und in den Iran sowie kei­ne Abschie­bun­gen von Jesid*innen in den Irak
• Kei­ne Deals mit gewalt­tä­ti­gen Mili­zen und auto­ri­tä­ren Regimen
• Die Bun­des­re­gie­rung muss ihre Auf­nah­me­zu­sa­gen ein­hal­ten und die gefähr­de­ten Men­schen aus Afgha­ni­stan unver­züg­lich nach Deutsch­land ein­rei­sen lassen

Das voll­stän­di­ge State­ment ist online abrufbar.

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