01.04.2010

PRO ASYL: Skan­dal der Miss­ach­tung der Kin­der­rech­te muss besei­tigt wer­den

Anläss­lich des 18. Jah­res­ta­ges der Rati­fi­zie­rung der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on (KRK) in Deutsch­land am 5. April begrüßt PRO ASYL die aktu­el­le Wil­lens­be­kun­dung des Bun­des­ra­tes mit der Auf­for­de­rung an die Bun­des­re­gie­rung, die Vor­be­hal­te zur KRK zurück­zu­neh­men.

Der zum Inkraft­tre­ten 1992 ein­ge­leg­te Vor­be­halt sieht vor, dass die Kon­ven­ti­on in Deutsch­land nicht auf asyl- und aus­län­der­recht­li­che Sach­ver­hal­te anzu­wen­den ist. „Als Fol­ge die­ser Erklä­rung sind Flücht­lings­kin­der in Deutsch­land 18 Jah­re lang Opfer einer staat­lich ver­wei­ger­ten Inte­gra­ti­on mit irrever­si­blen Fol­gen und ver­lo­re­nen Lebens­per­spek­ti­ven“, so Hei­ko Kauffmann, Vor­stands­mit­glied von PRO ASYL.

Die Rück­nah­me der Vor­be­hal­te wür­de bedeu­ten, dass das Leben von Flücht­lings­kin­dern, ihre Men­schen­wür­de, nicht mehr auf auf­ent­halts­recht­li­che Kate­go­ri­en redu­ziert wer­den kann. Für sie gel­ten dann end­lich die Prin­zi­pi­en, die den Kern der Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on aus­ma­chen: das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot, der Vor­rang des Kin­des­wohls, das Recht auf Leben und best­mög­li­che Ent­wick­lung und die Berück­sich­ti­gung des Kin­des­wil­lens.

Als zwin­gen­de poli­ti­sche und gesetz­li­che Kon­se­quen­zen for­dert PRO ASYL u.a. die Abschaf­fung unver­ant­wort­li­cher Alters­fest­set­zun­gen zum Bei­spiel durch Zwangs­rönt­gen und Schät­zun­gen nach „Inaugen­sch­ein­nah­me“. Die aus­län­der­recht­li­che Hand­lungs­fä­hig­keit Min­der­jäh­ri­ger darf künf­tig nicht mehr ab 16 Jah­ren gel­ten und die Abschie­bungs­haft für min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge muss ver­bo­ten wer­den. Zudem bedarf es einer Anpas­sung der Sozi­al­leis­tun­gen: nach dem Hartz-IV-Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts muss die Höhe jeder Hil­fe nach­voll­zieh­bar und trans­pa­rent ermit­telt wer­den. Da die Leis­tun­gen des Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes eben­so abs­trakt bestimmt und die pau­scha­le Redu­zie­rung des Sat­zes für Flücht­lings­kin­der eben­so will­kür­lich ermit­telt wur­den, besteht hier drin­gen­der poli­ti­scher und gesetz­li­cher Hand­lungs­be­darf.

PRO ASYL for­dert die Bun­des­re­gie­rung auf, das Asyl- und Aus­län­der­recht an die Erfor­der­nis­se der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on anzu­pas­sen. Der seit 1992 fort­dau­ern­de Skan­dal der Miss­ach­tung der Kin­der­rech­te gegen­über Flücht­lings- und Migran­ten­kin­dern muss end­lich besei­tigt wer­den.

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