06.07.2011
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Die Flaggen der Vereinten Nationen in New York. Foto: flickr / United Nations Photo

Der Staatenbericht der UN kritisiert Deutschlands Sozialpolitik – insbesondere auch die Diskriminierung von Asylsuchenden.

Sozia­les Gefäl­le, Kin­der­ar­mut, Benach­tei­li­gung von Migran­ten: Der Staa­ten­be­richt der UN kri­ti­siert Deutsch­lands Sozi­al­po­li­tik – ins­be­son­de­re auch die Dis­kri­mi­nie­rung von Asyl­su­chen­den.

Zahl­rei­che Medi­en haben heu­te über den Staa­ten­be­richt der UN über Deutsch­land berich­tet. Der Bericht selbst ist aller­dings schon älter: Die „abschlie­ßen­den Beob­ach­tun­gen des Komi­tees für wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te“ zu Deutsch­land (Word-Doku­ment) stam­men vom 20. Mai 2011. Dar­in zeigt sich das Komi­tee „tief besorgt“ dar­über, dass Deutsch­land zahl­rei­chen Emp­feh­lun­gen des Gre­mi­ums bis­her nicht nach­ge­kom­men ist.

„Tie­fe Besorg­nis“ über die Situa­ti­on von Asyl­su­chen­den

Neben vie­len ande­ren Män­geln der deut­schen Sozi­al­po­li­tik geht der kri­ti­sche Bericht auch auf die Situa­ti­on von Asyl­su­chen­den ein: „Mit tie­fer Besorg­nis betrach­tet das Komi­tee die Situa­ti­on von Asyl­su­chen­den, die kei­ne ange­mes­se­nen Sozi­al­leis­tun­gen erhal­ten, in unan­ge­mes­se­nen und über­füll­ten Unter­künf­ten unter­ge­bracht sind, ein­ge­schränk­ten Zugang zum Arbeits­markt haben und denen nur not­fall­me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung zur Ver­fü­gung steht“, heißt es im Arti­kel 13 des Papiers.

Das Komi­tee for­dert Deutsch­land auf, „im Sin­ne inter­na­tio­na­ler Stan­dards“ dafür zu sor­gen, dass Asyl­su­chen­de beim Zugang zu nicht­bei­trags­fi­nan­zier­ten Leis­tun­gen der sozia­len Siche­rungs­me­cha­nis­men und beim Zugang zur Gesund­heits­ver­sor­gung und zum Arbeits­markt glei­che Behand­lung erfah­ren wie Deut­sche.

Ursa­che des Pro­blems: „Das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz“

Die Ver­ein­ten Natio­nen spre­chen damit vor allem Kon­se­quen­zen an, die sich aus dem soge­nann­ten „Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes“ erge­ben, das für erwach­se­ne Asyl­su­chen­de Leis­tun­gen vor­sieht, die um 38 Pro­zent gerin­ger sind als das Arbeits­lo­sen­geld II, dass dem Grund­ge­setz nach das Exis­tenz­mi­ni­mum sichern soll. Asyl­su­chen­de müs­sen in Deutsch­land daher mit Leis­tun­gen weit unter dem Exis­tenz­mi­ni­mum aus­kom­men. Beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sind inzwi­schen auch Ver­fah­ren zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes (Asyl­bLG) anhän­gig.

Kin­der­ar­mut: Flücht­lings­kin­der am här­tes­ten betrof­fen

Die im UN-Bericht beson­ders kri­ti­sier­te Kin­der­ar­mut in Deutsch­land trifft Flücht­lings­kin­der am här­tes­ten: Die Sozi­al­leis­tun­gen für Asyl­be­wer­ber­kin­der lie­gen um bis zu 54 Pro­zent unter dem Niveau der Hartz IV-Regel­be­darfs­sät­ze für inlän­di­sche Kin­der. Ver­gleicht man den auf ledig­lich 68 Cent pro Tag gekürz­ten „Bar­be­trag“ für den per­sön­li­chen Bedarf, die sozio­kul­tu­rel­le Teil­ha­be und den Schul­be­darf, beträgt die Kür­zung für Asyl­be­wer­ber­kin­der bei bis zu 83 Pro­zent.

Der Gesetz­ge­ber ver­folgt mit den Asyl­ge­set­zen vor allem den Zweck der Abschre­ckung. Das bedeu­tet: Unter­brin­gung in Sam­mel­la­gern, Lebens­mit­tel aus Essens­pa­ke­ten, Mini­mal­me­di­zin, Arbeits­ver­bot und Resi­denz­pflicht. Um Flücht­lin­ge und Migran­ten abzu­schre­cken, nimmt Deutsch­land in Kauf, Asyl­su­chen­de und deren Kin­der men­schen­un­wür­dig zu behan­deln.