17.01.2013
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Shanaz Naso und ihr in Bulgarien festsitzender Bruder Anuar.

Anuar Naso wurde im Februar 2011 als 15jähriger zusammen mit seinem Vater nach Syrien abgeschoben, dabei vom Rest der Familie getrennt und in Syrien inhaftiert und gefoltert. Vater und Sohn flohen wieder – und strandeten in Bulgarien. Niedersachsens Innenminister verweigert die Familienzusammenführung in Deutschland. Jetzt wendet sich Anuars Schwester Shanaz mit einer Petition an David McAllister.

Febru­ar 2011, Gie­sen bei Hil­des­heim: In der Nacht reist ein Poli­zei­trupp mit Hun­den die Fami­lie Naso aus dem Schlaf, die seit zehn Jah­ren in Deutsch­land lebt, um sie gewalt­sam nach Syri­en abzu­schie­ben. Die Toch­ter Shanaz und die älte­ren Kin­der der Fami­lie sind nicht zu Hau­se, die Mut­ter erlei­det bei der Abschie­bung einen Schwä­che­an­fall und darf blei­ben.

Doch Vater Bedir Naso und sein damals 15jähriger Sohn Anu­ar wer­den von der Poli­zei abge­führt. Zwar hat­te Anu­ars Leh­re­rin ihrem Schü­ler beschei­nigt, dass er den Haupt­schul­ab­schluss errei­chen wer­de, aber das reich­te den nie­der­säch­si­schen Behör­den nicht für eine posi­ti­ve Inte­gra­ti­ons­pro­gno­se, die es für ein Blei­be­recht gebraucht hät­te. Weil Anu­ar nach Anga­ben der Leh­re­rin nicht immer sei­ne Haus­auf­ga­ben mache, wenig Ein­satz zei­ge und vor allem an Mäd­chen inter­es­siert sei, wird der puber­tie­ren­de Jugend­li­che abge­scho­ben – nach Syri­en in den Fol­ter­k­nast.

Denn damals stritt die Bun­des­re­gie­rung noch ab, was das von Assad regier­te Syri­en schon immer war: ein Fol­ter­staat. Wäh­rend die aus Nie­der­sach­sen Abge­scho­be­nen nach der Ankunft von Syri­schen Poli­zis­ten inhaf­tiert und miss­han­delt wer­den, macht gera­de eine nie­der­säch­si­sche Wirt­schafts­de­le­ga­ti­on bei hoch­ran­gi­gen syri­schen Stel­len ihre Auf­war­tung. So viel zu Deutsch­lands Kol­la­bo­ra­ti­on mit dem Assad-Regime.

Anu­ars Vater wird Mit­te Febru­ar aus dem syri­schen Gefäng­nis ent­las­sen, sein min­der­jäh­ri­ger Sohn bleibt län­ger in Haft. Als der syri­sche Bür­ger­krieg los­bricht, flie­hen die bei­den in die Tür­kei, sie wol­len zurück zu ihrer Fami­lie nach Deutsch­land.  Doch in Bul­ga­ri­en wer­den sie zunächst inhaf­tiert, dann sit­zen sie dort fest. Die Wei­ter­flucht aus Bul­ga­ri­en miss­lingt. Nur dank der Hil­fe ihrer in Deutsch­land leben­den Fami­lie müs­sen die bei­den nicht auf der Stra­ße leben. Anu­ar darf nicht zur Schu­le gehen und nicht arbei­ten, sein Vater ist erkrankt.

Doch Deutsch­land, das die bei­den nach Syri­en abschob, ver­wei­gert Anu­ar und Bedir noch immer, zu ihrer Fami­lie nach Deutsch­land zu kom­men. Jetzt hat sich die Schwes­ter Scha­naz Naso in einem ein­dring­li­chen Appell an die Lan­des­re­gie­rung gewandt. In einer Peti­ti­on an den nie­der­säch­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten for­dert sie: Erlau­ben Sie die Rück­kehr mei­nes Bru­ders!

Zur Peti­ti­on auf change.org

Mehr Infor­ma­tio­nen zum Fall Fami­lie Naso:

NDR-Bericht zum Fall Naso vom 14.12.2012 

In Pres­se­er­klä­run­gen vom 4. Febru­ar 2011, vom 8. Febru­ar 2011, vom 10. Febru­ar 2011, vom 14. Febru­ar 2011 und 28. Febru­ar 2011 infor­mier­te der Nie­der­säch­si­sche Flücht­lings­ra­tes aus­führ­lich über die Ereig­nis­se und Hin­ter­grün­de.

Gemein­sa­men Pres­se­mit­tei­lung von PRO ASYL und Flücht­lings­rat Nie­der­sa­chen vom 23. Febru­ar 2011