01.12.2012

Newsletter Dec 2012

Es über­rascht immer wie­der, mit wel­chen dik­ta­to­ri­schen Regi­men Deutsch­land im Bereich der poli­zei­li­chen Zusam­men­ar­beit koope­riert. Die Bun­des­re­gie­rung hat am 18. Okto­ber 2012 eine Klei­ne Anfra­ge der Links­frak­ti­on „Poli­zei­li­che Zusam­men­ar­beit mit Bela­rus“ beant­wor­tet (BT Druck­sa­che 17/11077). Tages­zei­tun­gen hat­ten zuvor über eine län­ge­re Tra­di­ti­on poli­zei­li­cher Zusam­men­ar­beit mit Weiß­russ­land berich­tet: Semi­na­re für bela­rus­si­sche Poli­zis­ten in Deutsch­land, Ein­satz­be­ob­ach­tun­gen usw. Klar scheint, wofür man Bela­rus braucht – als einen wei­te­ren Tür­ste­her der EU in Sachen Migra­ti­ons­ma­nage­ment, Grenz­schutz und Doku­men­ten­kon­trol­le. Deutsch­land hat Bela­rus, so die Bun­des­re­gie­rung, im Rah­men bila­te­ra­ler Aus­bil­dungs- und Aus­stat­tungs­hil­fe bei der Annä­he­rung an die EU mit der Durch­füh­rung von Maß­nah­men zur Her­an­füh­rung an die poli­zei­li­chen EU-Stan­dards unter­stützt. Haupt­the­ma sei die Bewäl­ti­gung von poli­zei­li­chen Lagen aus beson­de­rem Anlass, ins­be­son­de­re anläss­lich von Sport­ver­an­stal­tun­gen, gewe­sen. Abge­bro­chen habe man das in Abstim­mung mit dem Aus­wär­ti­gen Amt begon­ne­ne Pro­jekt nach Bekannt­wer­den des unan­ge­mes­se­nen Ein­satz­ver­hal­tens gegen­über Demons­tran­ten im Umfeld der Wahl 2010. Zu den Moti­ven der Zusam­men­ar­beit wird die Bun­des­re­gie­rung sehr deut­lich: „Die Vor­ver­la­ge­rungs­stra­te­gie, mit dem Ziel der Bekämp­fung der irre­gu­lä­ren Migra­ti­on in den Her­kunfts- und Tran­sit­län­dern, ist eine Säu­le des inner­halb der EU abge­stimm­ten Kon­zepts des inte­grier­ten Grenz­ma­nage­ments. Die Akti­vi­tä­ten im Rah­men der Vor­ver­la­ge­rungs­stra­te­gie der Bun­des­po­li­zei in Bela­rus wur­den initi­iert, weil Bela­rus an der Außen­gren­ze der Euro­päi­schen Uni­on liegt und damit an einer wich­ti­gen Migra­ti­ons­rou­te. (…) Für Deutsch­land selbst ist Bela­rus als Ursprungs­land irre­gu­lä­rer Migra­ti­on von nach­ran­gi­ger Bedeu­tung. Ziel der Zusam­men­ar­beit der Bun­des­po­li­zei mit dem bela­rus­si­schen Grenz­schutz war, die grenz­po­li­zei­li­che Auf­ga­ben­wahr­neh­mung effi­zi­en­ter zu gestal­ten und ille­ga­le Migra­ti­on, ins­be­son­de­re inter­na­tio­na­le Schleu­sungs­kri­mi­na­li­tät, unter Beach­tung des Flücht­lings­rechts bes­ser ent­ge­gen­zu­wir­ken.“ Es wird sehr schwer sein, die Beach­tung des Flücht­lings­rechts in irgend­ei­ner Wei­se zu über­prü­fen. Aller­dings behaup­tet die Bun­des­re­gie­rung an ande­rer Stel­le, das bela­rus­si­sche Asyl­sys­tem erfül­le nach Kennt­nis der Bun­des­re­gie­rung men­schen­recht­li­che Min­dest­stan­dards. Aus den Erfah­run­gen der Zusam­men­ar­beit mit dem bela­rus­si­schen Grenz­schutz sei der Ein­druck zu gewin­nen gewe­sen, dass der Grenz­schutz ernst­haft eine Ent­wick­lung zu einer Grenz­po­li­zei nach rechts­staat­li­chen Grund­sät­zen anstre­be. Erst mit der wei­te­ren Ver­schär­fung der Repres­si­on gegen weiß­rus­si­sche Oppo­si­tio­nel­le und der zuneh­men­den Mög­lich­keit, dass auch der bela­rus­si­sche Grenz­schutz aktiv in ent­spre­chen­de Maß­nah­men ein­be­zo­gen wer­den könn­te, habe man die Zusam­men­ar­beit voll­stän­dig ein­ge­stellt. Inter­es­sant aller­dings, dass der grenz­po­li­zei­li­che Ver­bin­dungs­be­am­te erst im Mai 2012 aus dem Land abge­zo­gen wur­de. Man kann das zusam­men­fas­sen: Bis 2010 war man aus über­ge­ord­ne­tem Inter­es­se an der Ein­bin­dung Weiß­russ­lands in den vor­ver­la­ger­ten Grenz­schutz völ­lig naiv, bis man unter dem Druck der Ereig­nis­se und der zuneh­men­den Öffent­lich­keit etwas weni­ger naiv sein muss­te.