01.09.2011

Newsletter Sep 2011

Klei­ne Anfra­ge zu die­sem The­ma im Thü­rin­ger Land­tag hin. Offen­bar wer­den ins­be­son­de­re in eini­gen Gebiets­kör­per­schaf­ten die Zäh­ne die­ser Per­so­nen­grup­pe häu­fi­ger gleich gezo­gen, statt sie zu behan­deln,. Jeden­falls lie­gen von Sei­ten des Innen­mi­nis­te­ri­ums jetzt Zah­len vor, die die­se Schluss­fol­ge­rung nahe­le­gen. Die aus­ein­an­der­lau­fen­de Pra­xis in den ein­zel­nen Land­krei­sen deu­tet auf ein völ­li­ges Ver­sa­gen der Fach­auf­sicht hin. Der Innen­mi­nis­ter will das Pro­blem offen­bar gar nicht erken­nen, son­dern ver­weist auf den Wort­laut des Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­set­zes. Der aber erklärt nicht das, was in Thü­rin­gen im All­tag offen­bar abläuft.
Der Flücht­lings­rat Thü­rin­gen hat am 9. August 2011 mit einer Pres­se­er­klä­rung Zäh­ne zie­hen statt behan­deln?“  reagiert und har­sche Kri­tik geübt. Weder gebe es eine gesetz­li­che noch eine poli­ti­sche Grund­la­ge, die dies alles legi­ti­mie­re. Die Lan­des­re­gie­rung sei auf­ge­for­dert, eine rechts­kon­for­me Hand­rei­chung zu ent­wi­ckeln, damit die­sen gra­vie­ren­den Miss­stän­den ein Ende gesetzt wer­de. Dabei müs­se selbst­ver­ständ­lich in ers­ter Linie die Zahn­erhal­tung ana­log der Kas­sen­leis­tung für gesetz­lich Ver­si­cher­te die Grund­la­ge sein. Der Men­schen­rechts­be­auf­trag­te der Thü­rin­ger Lan­des­ärz­te­kam­mer unter­stützt die­se For­de­rung.
In den ver­gan­ge­nen Jah­ren aller­dings hat­ten sich die ärzt­li­chen Insti­tu­tio­nen nicht mit Ruhm bekle­ckert. Pro­blem­an­zei­gen sei­tens des thü­rin­gi­schen Flücht­lings­ra­tes lagen bereits in den Jah­ren 2003 und 2004 vor. Amts­zahn­ärz­te hat­ten ent­spre­chen­de Prak­ti­ken auch gegen­über dem SPD-Gesund­heits­ex­per­ten Dr. Tho­mas Har­tung, von dem die Anfra­ge im thü­rin­gi­schen Land­tag stammt, bestä­tigt, woll­ten aber anonym blei­ben, so die Thü­rin­ger All­ge­mei­ne am 4. August 2011. Die kas­sen­zahn­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung wies die Vor­wür­fe vehe­ment zurück – über­ra­schend vor dem Hin­ter­grund der ein­deu­ti­gen Zah­len, etwa bezüg­lich des Ver­hält­nis­ses der behan­del­ten zu gezo­ge­nen Zäh­nen in den ein­zel­nen Krei­sen. Auch der Ver­gleich der durch­schnitt­li­chen „Extrak­ti­ons­quo­te“ für das gan­ze Land fällt zwi­schen der Per­so­nen­grup­pe Asyl­be­wer­ber und den Nor­mal­ver­si­cher­ten dras­tisch aus. Asyl­be­wer­bern wur­de jeder fünf­te behan­del­te Zahn gezo­gen. Ansons­ten liegt die Extrak­ti­ons­quo­te zwi­schen 0,5 und 5%, so die Thü­rin­ger All­ge­mei­ne. Trotz­dem behaup­tet die kas­sen­zahn­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung, den Ärz­ten wer­de eine bewuss­te Kör­per­ver­let­zung unter­stellt. Gegen die­se Ver­leum­dung müs­se man sich recht­li­che Schrit­te vor­be­hal­ten. Ande­rer­seits heißt es, dass man als KZV an die Geset­ze des Lan­des gebun­den sei. Hier wird die Aus­ein­an­der­set­zung inter­es­sant. Müs­sen Ärz­te Geset­ze befol­gen, die ihnen aus Kos­ten­grün­den die nicht sach­ge­rech­te Behand­lung von Pati­en­ten nahe­le­gen und ist dies ggf. nicht nur ein Ver­stoß gegen die ärzt­li­che Ethik, son­dern mög­li­cher­wei­se ein Kör­per­ver­let­zungs­tat­be­stand?
Die Grü­nen-Abge­ord­ne­te Astrid Rothe-Bein­lich hat sich klar posi­tio­niert. Sie meint: Das Zie­hen behan­del­ba­rer Zäh­ne ist eine sys­te­ma­ti­sche Kör­per­ver­let­zung. Man darf gespannt sein über die Fort­set­zung der Debat­te u.a. zwi­schen dem Men­schen­rechts­be­auf­trag­ten der Thü­rin­ger Lan­des­ärz­te­kam­mer und dem Vor­sit­zen­den der kas­sen­zahn­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung, der zwar poli­ti­schen Hand­lungs­be­darf bei der Regie­rung sieht, sei­ne Kol­le­gen bis­her aller­dings in Schutz nimmt.