01.08.2013

Newsletter Aug 2013

Dr. Magnus Trei­ber von der Fach­grup­pe Eth­no­lo­gie der Uni­ver­si­tät Bay­reuth hat anläss­lich des eri­trei­schen Hiz­ba­wi Fes­ti­vals Kas­sel am 6. Juli 2013 einen Vor­trag unter der Über­schrift „Flucht aus Eri­trea und die Zer­set­zung des Sozia­len“ gehal­ten. Trei­ber wirft einen Blick auf die Flucht und das Migra­ti­ons­ge­sche­hen der letz­ten Jah­re, sei­nem Inter­es­se fol­gend, wie Men­schen unter stän­di­gem Stress, in kon­ti­nu­ier­li­cher und doch stän­dig in Umbruch begrif­fe­ner Unsi­cher­heit ver­su­chen, das Rich­ti­ge zu tun, ohne wis­sen zu kön­nen, was die­ses eigent­lich aus­macht. Flücht­lin­ge aus Eri­trea, so berich­tet er aus sei­ner Erfah­rung in den Nach­bar­län­dern, füh­len sich ver­ges­sen und ver­drängt. Der zuge­stan­de­ne Schutz des UNHCR sei wenig wert. Bei einer den Eri­tre­ern bereits zuge­stan­de­nen förm­li­chen Aner­ken­nung durch UNHCR sei nicht ein­zu­se­hen, wie­so man die eige­ne Flucht­bio­gra­fie dra­ma­ti­sie­ren müs­se, um die Chan­ce auf eine Ansied­lung in einem Dritt­land zu bekom­men. Die Hoff­nung auf ein Resett­le­ment bestehe dar­in, als gefähr­det ein­ge­stuft zu wer­den und damit nach jah­re­lan­gem War­ten die Migra­ti­ons­chan­ce erhö­hen zu kön­nen. Die­je­ni­gen, die kei­ne Stim­me und kei­ne nütz­li­chen Bezie­hun­gen haben, blie­ben sich selbst über­las­sen: Alte Men­schen, arme Men­schen, Men­schen ohne aus­rei­chen­de Schul­bil­dung, Men­schen, die in der Migra­ti­on ihre Gesund­heit ris­kiert und ver­lo­ren hät­ten. Das Erbe der einst pro­pa­gier­ten und geschei­ter­ten Idee einer natio­na­len Fami­lie Eri­tre­as, der sich der Ein­zel­ne zum Woh­le aller unter­wer­fen sol­le, sei am Ende weit­hin zer­stör­tes Ver­trau­en und sozia­le Zer­set­zung – auch noch weit­ab des Herr­schafts­be­rei­ches der eri­trei­schen Dik­ta­tur.