01.12.2013

Newsletter Dec 2013

Am 8. August 2013: Män­ner, Frau­en und Kin­der wer­den schutz­los in tür­ki­schen Gewäs­sern aus­ge­setzt. Zuvor war die Grup­pe von 46 Flücht­lin­gen von einem klei­nen Poli­zei­boot auf­ge­bracht wor­den, an Bord vier Män­ner mit Gesichts­mas­ken. Sie schlu­gen die Flücht­lin­ge mit Stö­cken, tra­ten sie, inhaf­tier­ten sie auf der unbe­wohn­ten grie­chi­schen Insel Far­ma­ko­ni­si, auf der sich eine Mili­tär­sta­ti­on befin­det. Die Flücht­lin­ge wur­den nicht regis­triert, geschwei­ge denn beka­men sie die Mög­lich­keit, einen Asyl­an­trag zu stel­len – lei­der kein Ein­zel­fall. Sol­che völ­ker­rechts­wid­ri­gen Zurück­wei­sun­gen an der tür­kisch-grie­chi­schen Land- und See­gren­ze erfol­gen sys­te­ma­tisch. Das ist das zen­tra­le Ergeb­nis einer Recher­che, die PRO ASYL vom Okto­ber 2012 bis Sep­tem­ber 2013 in Grie­chen­land, der Tür­kei und Deutsch­land durch­ge­führt hat. Die Ergeb­nis­se sind in dem Bericht „Pushed Back“ ver­öf­fent­licht.

Push Backs fin­den von grie­chi­schen Gewäs­sern, von grie­chi­schen Inseln und von der Land­gren­ze statt. Die Mehr­heit der Opfer sind syri­sche Flücht­lin­ge – dar­un­ter auch beson­ders schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen wie Kin­der, Babies und Schwerst­kran­ke – die Euro­pa errei­chen wol­len, um inter­na­tio­na­len Schutz zu suchen und zu ihren Fami­li­en in Län­dern wie Deutsch­land, Schwe­den oder Groß­bri­tan­ni­en zu gelan­gen. Das Aus­maß und die Bru­ta­li­tät der Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen gegen Flücht­lin­ge sind scho­ckie­rend. Der Bericht klagt die grie­chi­sche Regie­rung, die Grenz­po­li­zei und die Küs­ten­wa­che auf­grund die­ser Prak­ti­ken an und wirft die Fra­ge nach einer wei­ter­ge­hen­den euro­päi­schen Kom­pli­zen­schaft auf. Das gesam­te grie­chi­sche Asyl- und Migra­ti­ons­sys­tem basiert auf einer erheb­li­chen Unter­stüt­zung und Finan­zie­rung durch die EU. Auch Fron­tex ist seit Jah­ren in Grie­chen­land im Ein­satz – den­noch schwei­gen die Ent­schei­dungs­trä­ger in Ber­lin, Wien und im rest­li­chen Euro­pa über die Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen. Abge­se­hen von weni­gen Aus­nah­men fan­den alle doku­men­tier­ten Push Backs im Ope­ra­ti­ons­ge­biet von Fron­tex statt. Es stellt sich daher die Fra­ge nach der Betei­li­gung von Fron­tex an den Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen. Auf­grund der Häu­fig­keit und Schwe­re der Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in Grie­chen­land muss Fron­tex sei­ne Ope­ra­tio­nen in dem Land been­den.

Bericht (engl.) Pushed Back – sys­te­ma­tic human rights vio­la­ti­ons against refu­gees in the aege­an sea and the greek-tur­kish land bor­der

Sum­ma­ry mit Fall­be­rich­ten (deutsch)