Das seit Anfang November 2015 geltende Gesetz, das die bundesweite Verteilung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen vorsieht, haben PRO ASYL und andere Verbände während des Gesetzgebungsverfahrens kritisiert. Es werde zu großen Problemen in der Betreuung der Minderjährigen kommen, weil aus gewachsenen Betreuungsstrukturen hinaus in die Zuständigkeitsbereiche von Jugendämtern verteilt werde, die überwiegend nicht vorbereitet und mit dem Thema nicht vertraut seien. Unmittelbar mit Beginn der Umverteilung kam es im November zu den ersten dramatischen Folgen. „Flüchtlingshelfer schlagen Alarm“ schreibt die Frankfurter Rundschau am 22.11.2015. Fast täglich erreichten die Rundschau Anrufe oder Emails von Helfern und Betreuern, die von verunsicherten, sich selbst überlassenen Jugendlichen berichteten, von Selbstverletzungen bis hin zu Suizidgedanken. Es seien inzwischen Strafanzeigen wegen Vernachlässigung, Gefährdung des Kindeswohls, Vorenthaltung von Kinderrechten, Vorenthaltung der Schulzugangsberechtigung nach Abschluss des Clearingverfahrens und aus anderen Rechtsgründen gestellt worden. Direkt nach Inkrafttreten des Gesetzes habe man die ersten Jugendlichen in andere Kommunen gebracht, ohne Vorbereitung. Nur nach wenigen Tagen seien alle Jugendlichen auf eigene Faust zurückgekehrt. Manche Kommunen hätten überhaupt keine Zeit gehabt, Aufnahmestrukturen zu schaffen. Eine Sprecherin der Frankfurter Sozialdezernentin meint hingegen, das neue Gesetz sorge für Klarheit. Es werde die Situation entspannen, da Jugendliche jetzt schneller verteilt würden und damit gar nicht erst Bindungen in Frankfurt aufbauen könnten.

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