Erhebliches Medienecho hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung „Die Arbeitsintegration von Flüchtlingen in Deutschland – Humanität, Effektivität, Selbstbestimmung“ ausgelöst. Autor ist Prof. Dr. Dietrich Thränhardt. Ausgrenzung aus dem Arbeitsleben, Unterbeschäftigung und Armut seien für Asylbewerber und Flüchtlinge in Deutschland gravierende Probleme. Der Ausschluss der Personengruppe aus tätiger Arbeit schade aber dem gesamten Land, wenn soziale und wirtschaftliche Chancen nicht genutzt würden. Es sei zu unterscheiden zwischen objektiv bestehenden Herausforderungen, die sich aus der Flüchtlingssituation ergäben und Schwierigkeiten auf der anderen Seite, die die deutsche Politik selbst geschaffen habe, durch bewusste Entscheidungen des Gesetzgebers seit 1980 – mit Arbeitsverboten, Residenzpflicht, der verpflichteten Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften, die lange Zeit verfolgte Politik der Sach- statt Geldleistungen. Seit 2013 zeichneten sich Veränderungen ab. Es gehe jetzt darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem Flüchtlinge aktiv werden und ihre eigene Zukunft gestalten könnten, statt ihre Energie auf die Überwindung von Mauern, die Finanzierung von Schleppern und die Auseinandersetzung mit Behörden und einschränkenden Gesetzen richten zu müssen. Die Studie beschäftigt sich mit dem aktuellen Bearbeitungsstand beim Bundesamt und seinen einschneidenden Folgen, fordert eine frühe und systematische Organisation der Integration und buchstabiert dies keineswegs nur beim Bereich des Arbeitsmarktzugangs durch, sondern fordert auch ein anderes Denken im Zusammenhang mit Unterbringung, Verteilung und der Einsicht darin, dass der Aufbau von Netzwerken zu unterstützen sei. Die Studie versucht sich darüber hinaus an Erwägungen, welche Alternativen es zum europäischen Asylabwehrsystem und seinen Abschottungsdilemmata in Bezug auf einzelne Herkunftsregionen von Flüchtlingen geben könnte. Sie empfiehlt über die Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs hinaus eine Vielzahl von Maßnahmen, die zur Normalisierung der Lebenslage von Asylsuchenden beitragen können, indem z.B. frühzeitige Informationen zum Ausbildungsstand, zu Berufstätigkeit und Berufsperspektiven von Flüchtlingen erhoben werden. Die Stiftung kritisiert, dass Asylsuchende bislang nicht in das Integrationskursprogramm einbezogen sind. Nur einige Bundesländer bieten Deutschkurse während des Asylverfahrens. Die Asylverfahrensdauern seien zudem auch im europäischen Vergleich sehr lang, wobei der Bearbeitungsstau nicht allein durch die große Zahl gestellter Anträge zu erklären sei. Mit der Entscheidung für die Schaffung von 2.000 Personalstellen beim Bundesamt sei ein Schritt getan. Ebenso nötig sei allerdings auch eine bessere Qualität der Entscheidungsverfahren beim Bundesamt.

Alle Beiträge von Fachpolitischer Newsletter N° 216 ansehen