Nach einem Bericht von Finanznachrichten.de vom 13.7.2016 sind nach Anga­ben des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums nicht ein­mal ein Pro­zent aller Aus­län­der in Deutsch­land mit einer Dul­dung aus medi­zi­ni­schen Grün­den erfasst wor­den. Ledig­lich 1.502 von am 31.5.2016 172.000 gedul­de­ten Aus­län­dern sei­en mit die­sem Merk­mal erfasst. Das dürf­te jedoch nicht der tat­säch­li­chen Grö­ßen­ord­nung ent­spre­chen, so die Reak­ti­on des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums gegen­über den Medi­en. Erst seit Novem­ber 2015 bestehe die theo­re­ti­sche Mög­lich­keit, Dul­dun­gen aus medi­zi­ni­schen Grün­den im Aus­län­der­zen­tral­re­gis­ter zu erfas­sen. Die erfolg­ten regel­mä­ßig zeit­lich ver­zö­gert, ver­mut­lich wegen der aktu­el­len Belas­tung der Aus­län­der­be­hör­den bis­lang noch gar nicht. Nun hat aber Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re zuvor die Aus­sa­ge in die Welt gesetzt, dass 70 Pro­zent der Män­ner unter 40 vor einer Abschie­bung Attes­te vor­leg­ten. Wofür er zu Recht man­gels irgend­ei­ner Daten­grund­la­ge in der Öffent­lich­keit kri­ti­siert wur­de. Im Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um ver­sucht man es aber wei­ter mit dem Unge­fäh­ren. So habe die Pra­xis gezeigt, dass die Gel­tend­ma­chung von medi­zi­ni­schen Abschie­bungs­hin­der­nis­sen die Behör­den in quan­ti­ta­ti­ver und qua­li­ta­ti­ver Hin­sicht vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen stell­ten. Ins Feld geführt wer­den wie­der ein­mal „Erkennt­nis­se der am Abschie­be­pro­zess betei­lig­ten Behör­den“. Das dürf­te ins­be­son­de­re die ein­schlä­gig bekann­te AG Rück des Bun­des und der Län­der sein, die immer mal wie­der – ggf. auch ohne Daten­grund­la­ge – die Exis­tenz eines rie­si­gen Voll­zugs­de­fi­zits in den Raum stellt. Tat­säch­lich wer­den vor­ge­leg­te Attes­te recht streng von Amts­ärz­ten geprüft. Meist wird halb­jähr­lich eine sol­che Prü­fung wie­der­holt bzw. neue Nach­wei­se wer­den gefor­dert. Unab­hän­gig von der quan­ti­ta­ti­ven Bedeu­tung, die medi­zi­ni­sche Abschie­bungs­hin­der­nis­se wirk­lich haben, es ist per­fi­de, den Ein­druck zu erwe­cken, man kön­ne sich da mit ein paar Zei­len als „Gefäl­lig­keitsat­test“ im Lan­de hal­ten. Zum Vor­wurf, Ärz­te ver­sorg­ten abge­lehn­te Asyl­be­wer­ber mit Attes­ten und der Fol­ge­de­bat­te, hat sich die FAZ am 14.7.2016 unter der Über­schrift „Arzt statt Abschie­bung“ geäu­ßert und die Posi­tio­nen aller Betei­lig­ten aus­führ­lich zu Wort kom­men las­sen.

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