Die Bun­des­re­gie­rung hat am 20. März 2015 eine klei­ne Anfra­ge der Bun­des­tags­frak­ti­on Die Lin­ke zum The­ma „Stand der Abschie­bun­gen in den Koso­vo Ende 2014“ (BT-Druck­sa­chen 18/4142 und 18/4398) beant­wor­tet. Wie erwar­tet hält die Bun­des­re­gie­rung zunächst ein­mal die Situa­ti­on im Koso­vo für eher unpro­ble­ma­tisch. So man­che Sät­ze haben es aber für den, der sie auf die Rea­li­tät anzu­wen­den weiß, in sich: „Von der schwie­ri­gen wirt­schaft­li­chen Lage sind vor allem bil­dungs­fer­ne Bevöl­ke­rungs­grup­pen und die­je­ni­gen betrof­fen, die nicht von der Ver­wandt­schaft in der Dia­spo­ra unter­stützt wer­den. Dies betrifft grund­sätz­lich Ange­hö­ri­ge aller eth­ni­schen Grup­pen.“ Als bil­dungs­fer­ne Bevöl­ke­rungs­grup­pe hat man in der Ver­gan­gen­heit häu­fig die Roma gemeint, wobei die Begriff­lich­keit sug­ge­riert, die Bil­dungs­fer­ne sei in den jewei­li­gen Bio­gra­fi­en ange­legt und kei­nes­falls als Ergeb­nis von Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­schlüs­sen der Roma zu ver­ste­hen.
Wer nicht von der Ver­wandt­schaft in der Dia­spo­ra unter­stützt wird, für den wird es eng. Dies trifft aber über­pro­por­tio­nal gera­de für die eth­ni­schen Min­der­hei­ten zu, die eher kei­ne erfolg­rei­chen Ver­wand­ten in der Dia­spo­ra haben. Die Behaup­tung, es sei­en grund­sätz­lich Ange­hö­ri­ge aller eth­ni­schen Grup­pen betrof­fen, ist vor die­sem Hin­ter­grund mehr als zwei­fel­haft. Eini­ge von der Bun­des­re­gie­rung erwähn­te Ver­bes­se­run­gen für die eth­ni­schen Min­der­hei­ten gibt es tat­säch­lich, eini­ge ste­hen eher auf dem Papier. Beson­ders gele­gen ist der Bun­des­re­gie­rung an der Behaup­tung, dass die koso­va­ri­sche Regie­rung jeden­falls öffent­lich für Tole­ranz und Respekt gegen­über den Min­der­hei­ten ein­tre­te, auch wenn es zu Fäl­len sozia­ler Aus­gren­zung und Dis­kri­mi­nie­rung kom­me. Die von der Bun­des­re­gie­rung ver­öf­fent­lich­ten Zah­len aus der Asyl­sta­tis­tik des Bun­des­am­tes für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge machen aller­dings deut­lich, dass die Flücht­lings­wel­le des Jah­res 2014 aus dem Koso­vo nach wie vor gro­ßen­teils eine Sache der Min­der­hei­ten ist. Medi­en­be­rich­te hat­ten den gegen­tei­li­gen Ein­druck erweckt. Die Anträ­ge wur­den im erfrag­ten Zeit­raum seit Okto­ber 2014 bis zum Febru­ar 2015 in extrem hohem Maße als offen­sicht­lich unbe­grün­det abge­lehnt. Abschie­bun­gen auf dem Luft­we­ge wer­den aus­weis­lich von Tabel­len, die den Zeit­raum ab 2013 betref­fen, über­wie­gend von kaum bekann­ten Mini-Air­lines über­nom­men. Auf Bit­ten des unga­ri­schen Innen­mi­nis­te­ri­ums, so die Bun­des­re­gie­rung, sei Fron­tex seit Anfang März auf­grund des anhal­tend „hohen Migra­ti­ons­drucks“ unter­stüt­zend mit Ein­satz­kräf­ten und –mit­teln tätig. Der Ein­satz erfol­ge als regu­lä­re Fron­tex-Maß­nah­me, wobei nähe­res zum Vor­ge­hen nicht mit­ge­teilt wird. Über das diplo­ma­ti­sche Vor­ge­hen gegen­über Koso­vo berich­tet die Bun­des­re­gie­rung in der Ant­wort auf Fra­ge 23. Die Regie­rung des Koso­vo wol­le mit Infor­ma­ti­ons­kam­pa­gnen Gerüch­ten ent­ge­gen­tre­ten, die Men­schen aus Koso­vo mit fal­schen Ver­spre­chen irre­führ­ten. Man unter­stüt­ze die deut­schen Bestre­bun­gen zu einer zügi­gen Rück­füh­rung und habe sich des­halb bereit­erklärt, die Ankün­di­gungs­frist von bestehen­den Rück­füh­rungs­maß­nah­men auf 24 Stun­den zu ver­kür­zen. Wei­te­re Ant­wor­ten erbrin­gen Klar­heit zur Fra­ge, wie vie­le Per­so­nen mit koso­va­ri­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit in der Ver­gan­gen­heit von Alt­fall­re­ge­lun­gen pro­fi­tie­ren konn­ten.

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