01.10.2011

Newsletter Oct 2011

Die Schwei­ze­ri­sche Flücht­lings­hil­fe (SFH) hat am 22. Sep­tem­ber ein The­men­pa­pier von Rai­ner Mat­tern „Sri Lan­ka: Situa­ti­on für aus dem Nor­den oder Osten stam­men­de Tami­lIn­nen in Colom­bo und für Rück­keh­re­rIn­nen nach Sri Lan­ka (pdf) “ ver­öf­fent­licht. Auch wenn mehr als zwei Drit­tel der ursprüng­lich in Lagern fest­ge­hal­te­nen 300.000 Bin­nen­ver­trie­be­nen nach Hau­se geschickt wur­den, wäre es unzu­tref­fend, von gelun­ge­ner Rück­kehr zu spre­chen, so der Autor. Denn die Betrof­fe­nen lan­de­ten oft nicht am Her­kunfts­ort, son­dern in einer Situa­ti­on wei­te­rer inter­ner Ver­trei­bung. 180.000 Men­schen min­des­tens leben immer noch in Lagern oder Pro­vi­so­ri­en. Tami­li­sche Neu­an­kömm­lin­ge aus dem Nor­den und Osten der Insel wür­den in der Haupt­stadt Colom­bo wei­ter­hin als Frem­de ange­se­hen und mit Miss­trau­en beob­ach­tet. Die Stim­mung gegen­über den im Aus­land leben­den Tami­lIn­nen sei äußerst auf­ge­heizt. Die Regie­rung lan­cie­re unauf­hör­lich Kam­pa­gnen gegen die­je­ni­gen, die das Land ver­las­sen und im Aus­land Asyl bean­tragt haben. Pau­scha­li­siert wird der Haupt­vor­wurf erho­ben, die Dia­spo­ra habe die LTTE finan­ziert und unter­stützt. Auch die Aus­lands­spit­ze­lei der sri-lan­ki­schen Regie­rung geht wei­ter. Demons­tra­tio­nen im Aus­land wer­den foto­gra­fiert oder mit Video auf­ge­nom­men. Seit dem Kriegs­en­de im Mai 2009 wer­den Rück­keh­re­rIn­nen auf dem Flug­ha­fen Colom­bo befragt, wobei es zu Ver­haf­tun­gen kam. Das Aus­maß an geheim­dienst­li­cher Über­wa­chung in Sri Lan­ka selbst hat sich erhöht. Die Regie­rung sei in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in kei­ner Wei­se gegen die Urhe­ber der staat­li­chen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen vor­ge­gan­gen, so die SFH. In einer Atmo­sphä­re der Straf­lo­sig­keit wür­den eher die Täter geschützt. Gro­ße Risi­ken exis­tie­ren für Jour­na­lis­tIn­nen, die die­se Zustän­de auf­de­cken und zum Teil ange­grif­fen, ver­haf­tet und getö­tet wer­den. Aus­tra­li­en hat sie Abschie­bung sri-lan­ki­scher Asyl­su­chen­der nach einem Bericht der Aus­tra­li­an Broad­cas­ting Cor­po­ra­ti­on aus­ge­setzt. Der SFH-Bericht zitiert meh­re­re Quel­len, die sich zur Fest­hal­tung, Ver­haf­tung und Fol­ter von rück­keh­ren­den Tami­len äußern. Die Men­schen­rechts­bi­lanz Sri Lan­ka, so die SFH abschlie­ßend, müs­se im Zusam­men­hang mit will­kür­li­cher Haft, Fol­ter und feh­len­der Rechts­schutz­mög­lich­kei­ten als desas­trös bezeich­net wer­den. Ange­sichts der zusam­men­ge­tra­ge­nen Fak­ten stel­le sich die Poli­tik der Staa­ten, in denen Tami­lIn­nen um Schutz ersucht haben, und die die Rück­kehr­mög­lich­kei­ten inzwi­schen beja­hen – Schweiz, Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich und Ita­li­en – als gewagt dar.