01.03.2012

Newsletter Mar 2012

 „Betreu­ung von aus­län­di­schen Dele­ga­tio­nen unter­liegt ein­heit­li­chen Stan­dards“ ver­öf­fent­licht hat. 
Im Hin­ter­grund steht eine soge­nann­te Exper­ten­an­hö­rung unter Betei­li­gung einer Dele­ga­ti­on des Rus­si­schen För­dera­len Migra­ti­ons­diens­tes, die vom 16. – 19. Mai 2011 in Lan­gen­ha­gen statt­ge­fun­den hat. Exper­ten hat­ten die Fra­ge gestellt, war­um die Lan­des­auf­nah­me­be­hör­de an rus­si­sche Behör­den­ver­tre­ter, die für eige­ne Staats­an­ge­hö­ri­ge Pass­pa­pie­re aus­stel­len, über­haupt Hono­ra­re und Gast­ge­schen­ke zahlt. Das War­um bleibt auch nach der Beant­wor­tung der Anfra­ge dif­fus. Man erfährt aller­dings, dass die Exper­ten­an­hö­run­gen die­ser Art dem Ziel die­nen, für mut­maß­li­che rus­si­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge Befra­gun­gen zur Klä­rung der Staatsangehörigkeit/Identität durch­füh­ren zu kön­nen, „da durch die bis­he­ri­gen Inter­view-Ver­fah­ren bei den Gene­ral­kon­su­la­ten bzw. der Bot­schaft der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on in Deutsch­land regel­mä­ßig kei­ne aus­rei­chen­de Klä­rung erfol­gen konn­te.“
So stellt sich erneut die Fra­ge nach dem War­um? War­um brin­gen Anhö­run­gen mit ein­ge­flo­ge­nen Exper­ten (wel­cher Pro­ve­ni­enz auch immer) mehr Chan­cen für eine aus­rei­chen­de Klä­rung als Inter­views bei Kon­su­la­ten oder der Bot­schaft, von wo man ja auch Rück­fra­gen an die Per­so­nen­stands­be­hör­den Russ­lands seit jeher rich­ten konn­te. Will man beim Aus­wärts­spiel rus­si­scher Exper­ten in beson­de­rer Wei­se auf sie ein­wir­ken? Nach Exper­ten­an­hö­run­gen in der Ver­gan­gen­heit, bei denen gele­gent­lich vol­les Pro­gramm mit Rin­gel­piez und Anfas­sen gebo­ten wur­de, haben sich die Län­der und die Bun­des­po­li­zei offen­bar, so erfährt man in der Ant­wort von Innen­mi­nis­ter Schü­ne­mann, auf ein ein­heit­li­ches Ver­fah­ren und gemein­sa­me Stan­dards für die Ein­la­dung, Unter­brin­gung und Betreu­ung aus­län­di­scher Dele­ga­tio­nen ver­stän­digt. So wird die Tages­pau­scha­le für Dele­ga­ti­ons­teil­neh­me­rIn­nen nach den Sät­zen der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on fest­ge­legt. Auch die sons­ti­gen Leis­tun­gen, so sie denn kom­plett auf­ge­zählt wor­den sind, las­sen es eher zwei­fel­haft erschei­nen, ob dem Bewir­tungs­pro­ce­de­re der „Ruch der Kor­rup­ti­on“ anhaf­tet. 
Bleibt die Grund­satz­fra­ge: War­um zah­len deut­sche Behör­den dafür, dass rus­si­sche Behör­den eige­nen Staats­bür­gern Papie­re aus­stel­len? Man darf ver­mu­ten, dass das umge­kehr­te Vor­ge­hen – Russ­land zahlt für die Aus­stel­lung von Papie­ren deut­scher Behör­den für Deut­sche – nicht funk­tio­nie­ren wür­de. Der Nie­der­säch­si­sche Flücht­lings­rat hat auf den Vor­gang mit einer Pres­se­er­klä­rung unter der Über­schrift „Lan­des­re­gie­rung zahl­te fürst­li­che Tages­sät­ze für rus­si­sche Pass­be­am­te in Deutsch­land“ am 1. März 2012 reagiert, wobei es die rus­si­sche Dele­ga­ti­on sicher nicht zur Fürs­ten­sui­te gebracht hat. Zur kor­rum­pie­ren­den Wir­kung von Dele­ga­ti­ons­be­su­chen emp­feh­len wir den immer noch uner­reich­ten Film „Nino­t­sch­ka“ von Ernst Lub­itsch aus dem Jah­re 1939.