Im Oktober 2015 wurde das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen im afghanischen Kunduz durch Luftangriffe zerstört. Tausende von Menschen hatten in der Folge keinen Zugang zu medizinischer Versorgung mehr. Das durch die fast dreiwöchige Besetzung der Stadt schwer geprüfte Kunduz war von den langfristigen Folgen der Angriffe schwer betroffen, bei denen 42 Menschen starben, unter ihnen 14 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen. Am 29. April 2016 hat das US-Militär seinen Untersuchungsbericht zum Angriff veröffentlicht. Der Tenor: Unglückliche Umstände, kein Kriegsverbrechen. Ärzte ohne Grenzen hat auf die Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes reagiert. Man werde sich allerdings nicht mit einer ausschließlich militärischen Untersuchung des Angriffs zufrieden geben. Gefordert wird nach wie vor eine unabhängige und objektive Untersuchung durch die Internationale Humanitäre Ermittlungskommission (IHFFC). Der Charakter der Angriffe auf das Krankenhaus sowie wiederholte Angriffe auf weitere medizinische Einrichtungen in Afghanistan verlangten von allen Konfliktparteien, dass sie den geschützten Status der medizinischen Versorgung erneut anerkennen, bevor Ärzte ohne Grenzen über die Wiederaufnahme medizinischer Aktivitäten entscheiden könne. Es reiche außerdem nicht aus zu untersuchen, ob der Angriff vorsätzlich war oder nicht. Keine bewaffnete Gruppe kann sich aus der Verantwortung stehlen, schwerwiegende Verletzungen des humanitären Völkerrechts zu vermeiden, indem sie jegliche Absicht bei Angriffen auf geschützte Einrichtungen von sich weise.

Alle Beiträge von Fachpolitischer Newsletter N° 224 ansehen