01.11.2013

Newsletter Nov 2013

Von der Sicher­heits­fir­ma G4S war in die­sem News­let­ter schon des Öfte­ren die Rede. Sie steht in Groß­bri­tan­ni­en in der Kri­tik, nicht zuletzt wegen des Abschie­be­to­des des Ango­la­ners Jim­my Muben­ga, der bei einem Abschie­bungs­ver­such in Lon­don erstick­te. Was wir – und vie­le außer­halb Öster­reichs – nicht wuss­ten: Bereits seit 1996 ist der gesam­te Publi­kums­dienst der Wie­ner Bun­des­thea­ter an den größ­ten Sicher­heits­dienst­leis­ter der Welt G4S aus­ge­glie­dert wor­den. Zum 125. Burg­thea­ter­ju­bi­lä­um hielt der Platz­an­wei­ser (Bil­le­teur) Chris­ti­an Diaz am 12. Okto­ber 2013 spon­tan und unein­ge­la­den auf dem Wie­ner Burg­thea­ter­kon­gress eine Rede, in der er die Invol­vie­rung des Uni­ver­sal­dienst­leis­ters und Secu­ri­ty-Solu­ti­ons Anbie­ters G4S sezier­te, die Ver­ban­de­lung der renom­mier­tes­ten kul­tu­rel­len Insti­tu­ti­on in Öster­reich mit dubio­sen mul­ti­na­tio­na­len Unter­neh­men im Rah­men von Out­sour­cing-Prak­ti­ken kri­ti­sier­te und sei­nen Traum von einem Thea­ter, das sich gegen die Abschie­bung von Men­schen wen­det, die in ande­ren Tei­len der Welt unter­be­zahlt und in Elend die Pro­duk­te unse­res Wohl­stan­des her­stel­len, ver­öf­fent­lich­te. Diaz wur­de von G4S ent­las­sen. Das Burg­thea­ter ver­öf­fent­lich­te eine pein­li­che Erklä­rung, in der es unter ande­rem sprach­lich ver­korkst und des­halb sach­ge­recht heißt: „Nach unse­ren Recher­chen wur­den die Geschäfts­ge­ba­ren der Sicher­heits­fir­ma in Öster­reich immer wie­der als geset­zes­kon­form über­prüft.“ Das Burg­thea­ter kann von sei­nem Bil­le­teur ler­nen, dass die Rea­li­tät im eige­nen Hau­se dra­ma­ti­sche Stof­fe bie­tet. Die Aus­ein­an­der­set­zung, ob eine Fir­ma Sicher­heit im Kul­tur­be­trieb lie­fern und gleich­zei­tig ein Abschie­be­zen­trum betrei­ben darf, ist in vol­lem Gan­ge. Und im Kiel­was­ser des Bil­le­teurs recher­chie­ren ande­re die neu­es­ten Aspek­te der öster­rei­chi­schen Freundl-Wirt­schaft, so profil.at. Das Sicher­heits­un­ter­neh­men G4S pflegt tra­di­tio­nell gute Kon­tak­te ins öster­rei­chi­sche Innen­mi­nis­te­ri­um. G4S-Mit­ar­bei­ter wür­den durch Bediens­te­te der Exe­ku­ti­ve immer wie­der geschult – und zur Spit­ze. Der frü­he­re ÖVP-Innen­mi­nis­ter Stras­ser sei nach sei­nem Abschied aus der Poli­tik 2004 in den Auf­sichts­rat der Wie­ner G4S Secu­re-Solu­ti­ons AG gefolgt, wo er bis 2011 saß. Und das ist nicht die ein­zi­ge per­so­nel­le Quer­ver­bin­dung. Der aktu­el­le Vor­stand von G4S Öster­reich habe, so profil.at unter Stras­sers Nach­nach­fol­ger Gün­ther Plat­ter als stell­ver­tre­ten­der Kabi­netts­chef gedient. Nach­voll­zieh­bar bei so viel Kon­tak­ten, dass G4S damit betraut wur­de, das ers­te Schub­haft­zen­trum Öster­reichs zu betrei­ben, in pri­va­ter Hand ist.