01.11.2014

Newsletter Nov 2014

Bei dem kurz­fris­tig anbe­raum­ten nord­rhein-west­fä­li­schen Flücht­lings­gip­fel am 20. Okto­ber 2014 in Essen pro­to­kol­lier­te die Lan­des­re­gie­rung Ergeb­nis­se und Absichts­er­klä­run­gen in 12 Punk­ten, von denen die Medi­en über­wie­gend nur über weni­ge berich­te­ten, so über die Auf­sto­ckung der Lan­des­pau­scha­le zur Kos­ten­er­stat­tung an die Kom­mu­nen. Mit der ange­kün­dig­ten Auf­sto­ckung um 28 Pro­zent liegt NRW kei­nes­wegs an der Spit­ze bei der Unter­stüt­zung der Kom­mu­nen. Die Ver­tei­lung des Kos­ten­ri­si­kos bei beson­ders hohen Krank­heits­kos­ten oder Pfle­ge­auf­wen­dun­gen für Flücht­lin­ge haben ande­re Bun­des­län­der längst per Decke­lung der auf die Kom­mu­nen ent­fal­len­den Kos­ten und Über­nah­me des über­stei­gen­den Betra­ges erle­digt. Erfreu­lich ist die Zusa­ge einer Ver­dop­pe­lung der Mit­tel für die Flücht­lings­be­ra­tung, aber zu hof­fen ist, dass dies nicht eine Quer­sub­ven­tio­nie­rung für die pri­va­ten Wohn­heim­be­trei­ber sein wird. Eben­so erfreu­lich, dass sich die Lan­des­re­gie­rung für die voll­stän­di­ge Inte­gra­ti­on der Asyl­be­wer­ber in die sozia­len Stan­dard­si­che­rungs­sys­te­me des SGB II und SGB XII und für die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht nach SGB V ein­setzt. Bei dem Bekennt­nis, gel­ten­de und zukünf­ti­ge Stan­dards wür­den künf­tig ein­ge­hal­ten und flä­chen­de­ckend kon­trol­liert, wird man die Pra­xis an der Absichts­er­klä­rung mes­sen müs­sen. Immer­hin ist der Bereich auch per­so­nell auf­ge­stockt wor­den. Stan­dards im enge­ren Sin­ne aber gibt es bis­lang noch nicht. Es wäre sehr erfreu­lich, wenn kon­zep­tio­nell wei­ter­ge­dacht und umge­setzt wür­de. In dem Prüf­auf­trag für ein Pro­gramm für Son­d­er­bar­mit­tel und in der Ein­rich­tung eines Beschwer­de­ma­nage­ments ste­cken, wie in ande­ren Punk­ten auch, Mög­lich­kei­ten für Ver­bes­se­run­gen.

Ansons­ten gab es ein bun­tes Pot­pour­ri an For­de­run­gen in Rich­tung einer stär­ke­ren Betei­li­gung des Bun­des an der Finan­zie­rung. Bun­des­im­mo­bi­li­en sol­len dar­über hin­aus als Flücht­lings­un­ter­künf­te genutzt wer­den kön­nen. Syri­sche Flücht­lin­ge sol­len künf­tig schnel­ler als Asyl­be­wer­ber aner­kannt wer­den. Man wol­le, dass die­je­ni­gen, die mit hoher Wahr­schein­lich­keit hier blei­ben kön­nen, dies mög­lichst noch im Erst­auf­nah­me­ver­fah­ren erfüh­ren, äußer­te Bun­des­in­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re. Der nie­der­säch­si­sche Innen­mi­nis­ter Pis­to­ri­us äußer­te immer­hin rea­lis­tisch, von die­ser Rege­lung wer­de man im Ergeb­nis mehr haben als von der Ein­stu­fung Maze­do­ni­ens, Ser­bi­ens und Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­nas zu siche­ren Her­kunfts­staa­ten. Zu ergän­zen wäre: Der Groß­teil der Asyl­an­trä­ge aus die­sen Staa­ten wird ja bereits seit län­ge­rem in frag­wür­di­gen Schnell­ver­fah­ren nega­tiv erle­digt. For­de­run­gen an den Bund wei­ter: Eine gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rungs­lö­sung für Asyl­su­chen­de zur Ent­las­tung der Kom­mu­nen, finan­ziert durch den Bund. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re habe ange­bo­ten, Koor­di­nie­rungs­stel­len für Dub­lin-Fäl­le ein­zu­rich­ten. Inter­es­sant, dass NRW-Innen­mi­nis­ter Jäger eine ver­schärf­te Sicher­heits­über­prü­fung für das Wach­per­so­nal in Flücht­lings­un­ter­künf­ten bun­des­weit vor­schrei­ben will. Man wäre ja dank­bar, wenn dies in NRW erfolg­reich durch­ge­re­gelt wer­de. Wenig spä­ter erfuhr man unter ande­rem aus dem Neu­en Deutsch­land, dass NRW „Hei­me neu­en Typs pla­ne“. Die sol­len dann min­des­tens 500 Plät­ze haben. Nord­rhein-West­fa­lens Kurs gehe wei­ter­hin nicht in Rich­tung einer schnel­len dezen­tra­len Unter­brin­gung. Da muss man sich über die Qua­li­tät der Wach­schutz­un­ter­neh­men gleich schon wie­der Gedan­ken machen.