Die Bun­des­re­gie­rung plant wei­te­re Bal­kan-Staa­ten auf die Lis­te siche­rer Her­kunfts­staa­ten zu set­zen. Neben der rea­li­täts­fer­nen Selbst­ver­ge­wis­se­rung, es wür­de sich bei die­sen Staa­ten um „siche­re Her­kunfts­staa­ten“ han­deln, gibt es Beden­ken durch Expert*innen.

In der ZEIT berich­tet Eli­sa­beth Rae­ther über die Situa­ti­on von Frau­en aus Alba­ni­en. Das dor­ti­ge Gewohn­heits­recht Kanun umfasst Kon­zep­te der Selbst­jus­tiz, Blut­ra­che und Zwangs­ehe. Auch in der staat­li­chen Recht­spre­chung fin­den sich Ele­men­te des Kanun wie­der. Nach­dem Bel­gi­en 2012 zum siche­ren Her­kunfts­staat dekla­riert hat­te, muss­te die­se Ent­schei­dung nach zwi­schen­zeit­lich 17,2 Pro­zent bewil­lig­ten Asyl­an­trä­gen wie­der zurück­ge­nom­men wer­den. Rae­ther weist dar­auf­hin, dass ins­be­son­de­re Frau­en nicht in der Lage sind, in Schnell­ver­fah­ren beim BAMF ihre Flucht­grün­de adäquat dar­zu­le­gen, da die­se oft mit sexu­el­len Trau­ma­ti­sie­run­gen ver­bun­den sind.

Über das Koso­vo berich­tet der Poli­to­lo­ge Belul Beqai aus Pris­ti­na, dass der koso­va­ri­sche Arbeits­markt von mas­si­ver Kor­rup­ti­on domi­niert sei. Einen Zugang zu Arbeit erhal­te man nur durch ent­spre­chen­de Kon­tak­te. Den Ein­fluss der euro­päi­schen und ins­be­son­de­re deut­schen Poli­tik auf den Koso­vo behan­deln Julia Stras­heim und Ann­kat­rin Trit­schoks in ihrem Arti­kel. Sie kri­ti­sie­ren dabei die Rol­le der EU-Rechts­staat­lich­keits­mis­si­on EULEX, die zwar Frie­den, aber kei­nen siche­ren Staat für Min­der­hei­ten geschaf­fen habe.

Inter­es­sant sind die Ergeb­nis­se einer Stu­die der Fried­rich-Ebert-Stif­tung in Koope­ra­ti­on mit der Uni­ver­si­tät Mari­bor, die 10.000 jun­ge Men­schen in acht süd­ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten befragt hat. Die Schluss­fol­ge­rung der Stu­die: „Arbeits­lo­sig­keit, pre­kä­re Arbeits­ver­hält­nis­se und Armut sind in ganz Süd­ost­eu­ro­pa die drän­gends­ten Sor­gen der Jugend­li­chen und jun­gen Erwach­se­nen, vie­le wol­len daher emi­grie­ren. Der anhal­ten­de Brain­drain stellt für die Ent­wick­lung der Staa­ten der Regi­on die größ­te Bedro­hung dar.“ Die Stu­die ver­deut­licht zudem, dass kon­ser­va­ti­ve bis frem­den­feind­li­che Ein­stel­lun­gen ins­be­son­de­re unter jun­gen Men­schen gro­ße Zustim­mung fin­den. Ver­trau­en in staat­li­che Insti­tu­tio­nen sei mar­gi­nal. Inter­es­sant für die deut­sche Dis­kus­si­on: Nicht Deutsch­land, son­dern die Schweiz ist das Haupt­zi­el­land vie­ler koso­va­ri­scher Migrant*innen. Dem­ge­gen­über wol­len nach Deutsch­land vor­ran­gig Roma, die im Koso­vo kei­ne Per­spek­ti­ven für ihr Leben mehr sehen.

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