01.12.2012

Newsletter Dec 2012

Die Bun­des­re­gie­rung hat am 22. Novem­ber 2012 eine Klei­ne Anfra­ge der Frak­ti­on DIE LINKE beant­wor­tet (BT Druck­sa­che 17/11417, BT Druck­sa­che 17/11628). Inter­es­sant sind unter ande­rem die Aus­füh­run­gen der Bun­des­re­gie­rung zu den Fra­gen 16 ff, bei denen es den Fra­ge­stel­lern um Maß­nah­men des ser­bi­schen und des maze­do­ni­schen Gesetz­ge­bers geht, mit denen einem ver­meint­li­chen Miss­brauch auch der Vis­um­frei­heit eige­ner Staats­an­ge­hö­ri­ger ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den soll. Zwar bemüht sich die Bun­des­re­gie­rung, den Ein­druck zu ver­mit­teln, die ser­bi­sche und die maze­do­ni­sche Regie­rung ver­such­ten, den Miss­brauch der Visa­li­be­ra­li­sie­rung zu ver­hin­dern, „ohne dabei das Recht auf eine freie Aus­rei­se zu ver­let­zen“, jedoch wird deut­lich, welch pro­ble­ma­ti­sche Maß­nah­men im Ein­zel­nen ange­wen­det wer­den. So refe­riert die Bun­des­re­gie­rung zu Ser­bi­en, es fän­den „ver­tief­te Grenz­kon­trol­len“ ein­schließ­lich der inten­si­ven Prü­fung der Aus­rei­se­vor­aus­set­zun­gen statt. NGOs haben dies als Aus­rei­se­ver­hin­de­rung per eth­nic pro­filing kri­ti­siert. Fer­ner sei in Ser­bi­en eine Novel­lie­rung des Straf­rechts beab­sich­tigt, um kon­kret den Miss­brauch der Visa­frei­heit durch Schleu­sung unter Stra­fe zu stel­len. Zu Maze­do­ni­en refe­riert die Bun­des­re­gie­rung, der maze­do­ni­sche Gesetz­ge­ber habe das Gesetz über Rei­se­do­ku­men­te dahin­ge­hend erwei­tert, dass für den Fall des Miss­brauchs der Visa­frei­heit der Rei­se­pass für die Dau­er eines Jah­res ent­zo­gen wer­den kann. Zu den „ver­tief­ten Grenz­kon­trol­len“ in Maze­do­ni­en ergänzt die Bun­des­re­gie­rung, es sei seit April 2011 mög­lich, maze­do­ni­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen die Aus­rei­se zu ver­wei­gern, wenn sie gegen­über den maze­do­ni­schen Grenz­kon­troll­be­hör­den kei­ne kla­re Aus­sa­ge über Rei­se­zweck und -ziel machen könn­ten.

Zu den Ankün­di­gun­gen des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters, Ser­bi­en und Maze­do­ni­en künf­tig in die Lis­te siche­rer Her­kunfts­staa­ten nach Art. 16 a Abs. 3 GG auf­neh­men zu wol­len, äußert sich die Bun­des­re­gie­rung dahin­ge­hend, dass sie über kei­ne Kennt­nis­se ver­fü­ge, die einer sol­chen Ein­stu­fung als siche­re Her­kunfts­staa­ten ent­ge­gen­ste­hen wür­den. Der Gesetz­ge­ber habe eine ent­spre­chen­de Ent­schei­dung zu tref­fen. Was sich die Bun­des­re­gie­rung von einer der­ar­ti­gen Ein­stu­fung erhofft, ergibt sich aus der Ant­wort zu Fra­ge 38. Auch weni­ger star­ke Beschleu­ni­gungs­ef­fek­te könn­ten ange­sichts des Anstiegs der Asyl­be­wer­ber­zah­len aus Ser­bi­en und Maze­do­ni­en zu einer spür­ba­ren Ent­las­tung des Bun­des­am­tes und der Ver­wal­tungs­ge­rich­te füh­ren. Aus der Ant­wort zur Fra­ge 46 geht her­vor, dass das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um offen­bar beab­sich­tigt, das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz zu umge­hen. Staats­an­ge­hö­ri­gen angeb­lich siche­rer Her­kunfts­län­der soll unter­stellt wer­den kön­nen, dass sie ein­ge­reist sind, um Leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz zu erlan­gen. Damit erge­be sich die Mög­lich­keit das Taschen­geld (gege­be­nen­falls auf null) zu kür­zen und aus­schließ­lich Sach­leis­tun­gen zu gewäh­ren. Dabei wird über­gan­gen, dass eini­ge Sozi­al­ge­richts­ur­tei­le die ent­spre­chen­de Miss­brauchs­klau­sel inzwi­schen als ver­fas­sungs­wid­rig bewer­tet haben.