01.12.2011

Newsletter Dec 2011

Über die Umstän­de des Todes des Abschie­bungs­häft­lings Sla­wik C., der sich im Juli 2010 in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt Lan­gen­ha­gen erhängt hat, wird nach einem Urteil des 5. Sena­tes des Bun­des­ge­richts­hofs in Karls­ru­he erneut gestrit­ten. Der BGH hat ent­schie­den, der Haft­be­fehl sei rechts­wid­rig gewe­sen. Dem Kreis Har­burg sei beim Haft­an­trag ein for­ma­ler Feh­ler unter­lau­fen. Die Han­no­ver­sche All­ge­mei­ne Zei­tung berich­te­te am 24.11.2011 auch dar­über, dass dies nicht der ers­te Feh­ler ist, der dem Kreis bei der Behand­lung von Sla­wik C. „unter­lau­fen“ ist. Eine Stel­lung­nah­me des Lan­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­ho­fes wird vom nie­der­säch­si­schen Flücht­lings­rat hef­tig kri­ti­siert. Das Innen­mi­nis­te­ri­um behaup­te­te, die Aus­le­gung der Geset­ze durch den BGH sei dem Innen­mi­nis­te­ri­um erst seit Janu­ar 2011 bekannt gewe­sen. Das kann leicht wider­legt wer­den. Der nie­der­säch­si­sche Flücht­lings­rat wirft dem Innen­mi­nis­te­ri­um u.a. vor, sich bis­her nicht genö­tigt gese­hen zu haben, die Aus­län­der­be­hör­den fach­auf­sicht­lich zu mehr Sorg­falt bei Haft­an­trä­gen auf­zu­for­dern, obwohl es bereits in den letz­ten zwei Jah­ren eine Viel­zahl von Ent­schei­dun­gen zur Rechts­wid­rig­keit und Ver­fas­sungs­wid­rig­keit von Haft­an­ord­nun­gen durch BGH und Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gege­ben habe. In einer Erklä­rung vom 30. Novem­ber 2011 hat auch Rechts­an­walt Peter Fahl­busch nach­ge­legt und ange­merkt, dass auch nach dem Fall Sla­wik C. Abschie­bungs­haft in Nie­der­sach­sen rechts­wid­rig ange­ord­net wer­de. Nach dem Fall der Fami­lie Ngu­y­en, bei dem inzwi­schen die Rück­ho­lung der abge­scho­be­nen Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen kon­kret ange­kün­digt ist, hat das Anse­hen von Innen­mi­nis­ter Schü­ne­mann ein wei­te­res Mal Scha­den genom­men.