01.12.2013

Newsletter Dec 2013

Am 25. Novem­ber 2013 hat ein Mari­ne­ge­richt in Grie­chen­land zwei der drei ange­klag­ten Mit­glie­der der grie­chi­schen Küs­ten­wa­che in ers­ter Instanz zu drei und sechs Jah­ren Haft ver­ur­teilt. Ihnen wird vor­ge­wor­fen, einen Flücht­ling im Boot der Küs­ten­wa­che gefol­tert zu haben. Am 18. Juni 2007 lan­de­te eine Grup­pe von 48 Per­so­nen nach der Über­fahrt von der tür­ki­schen Küs­te auf einer klei­nen Insel vor Chi­os. Dort wur­den sie zunächst von Sol­da­ten fest­ge­nom­men und nach einer Erst­ver­sor­gung an die Küs­ten­wa­che über­ge­ben, die sie in ein Haft­la­ger nach Chi­os brin­gen soll­te. Beim Trans­port wur­den Flücht­lin­ge miss­han­delt und gefol­tert. Der Belas­tungs­zeu­ge wur­de unter ande­rem Opfer einer Schein­exe­ku­ti­on, Wür­gen bis fast zum Ersti­cken und soge­nann­tem „Water­boar­ding“, bei dem sein Kopf so oft und lan­ge unter Was­ser getaucht wur­de, dass er zu ertrin­ken fürch­te­te. PRO ASYL hat­te den Vor­fall gemein­sam mit der Athe­ner Anwalts­grup­pe für die Rech­te von Flücht­lin­gen und Migran­tIn­nen recher­chiert, doku­men­tiert und im Bericht „The truth may be bit­ter“ im Jahr 2007 ver­öf­fent­licht. Das aktu­el­le Urteil setzt mit lang­jäh­ri­gen Haft­stra­fen ein Zei­chen, dass es kei­ne Straf­frei­heit für Ver­bre­chen gegen die Men­schen­rech­te von Schutz­su­chen­den gibt. Jetzt muss es auch zu einer umfas­sen­den Auf­klä­rung wei­te­rer völ­ker­rechts­wid­ri­ger Rück­schie­bun­gen von Grie­chen­land in die Tür­kei kom­men. Die gesam­te Befehls­ket­te der grie­chi­schen Küs­ten­wa­che muss in die­se Unter­su­chung ein­be­zo­gen wer­den, auch die Rol­le von Fron­tex ist in die­sem Zusam­men­hang zu klä­ren.