01.03.2014

Newsletter Mar 2014

Am 20. Janu­ar 2014 kam es zu einer töd­li­chen Boots­ka­ta­stro­phe nahe der grie­chi­schen Insel Far­ma­ko­ni­si: 11 Flücht­lin­ge star­ben, acht Kin­der und drei Frau­en. Mit hoher Wahr­schein­lich­keit kamen sie bei einer völ­ker­rechts­wid­ri­gen Push-Back-Ope­ra­ti­on der grie­chi­schen Küs­ten­wa­che ums Leben. Das Fischer­boot mit 27 Men­schen aus Afgha­ni­stan und Syri­en ken­ter­te nahe der Insel Far­ma­ko­ni­si, im Schlepp­tau eines grie­chi­schen Küs­ten­wa­che­schif­fes. Die 16 Über­le­ben­den wur­den auf die Insel Leros gebracht, wo Mit­ar­bei­ten­de des UNHCR sie am Fol­ge­tag befrag­ten. Sie berich­te­ten, das Schiff der Küs­ten­wa­che habe ihr Boot in Schlepp­tau genom­men und sei dann bei unru­hi­ger See mit hoher Geschwin­dig­keit in Rich­tung tür­ki­sche Küs­te gerast. Bevor ihr Boot ken­ter­te, hät­ten die Flücht­lin­ge in Panik um Hil­fe geschrien und auf die an Bord befind­li­chen Kin­der hin­ge­wie­sen. Die grie­chi­schen Behör­den spre­chen dage­gen von einer Ret­tungs­ak­ti­on. Vor dem Hin­ter­grund der Berich­te der Über­le­ben­den und der u.a. von PRO ASYL in dem Bericht „Pushed Back“ im Novem­ber 2013 doku­men­tier­ten Pra­xis sys­te­ma­ti­scher Zurück­wei­sun­gen von Schutz­su­chen­den durch die grie­chi­sche Küs­ten­wa­che scheint die­se Ver­si­on kaum plau­si­bel.

Die schwer trau­ma­ti­sier­ten Über­le­ben­den, von denen drei Män­ner ihre Kin­der und Ehe­frau­en ster­ben sahen, wer­den der­zeit von Psy­cho­lo­gen, Anwäl­tin­nen und Anwäl­ten des Grie­chi­schen Flücht­lings­rats und von PRO ASYL betreut. In zähen Ver­hand­lun­gen ist es gelun­gen, dass die Über­le­ben­den zumin­dest für die nächs­ten sechs Mona­te aus huma­ni­tä­ren Grün­den in Grie­chen­land blei­ben kön­nen. Die Über­le­ben­den und die unter ande­rem auch in Deutsch­land leben­den Ange­hö­ri­gen for­dern, dass der töd­li­che Ein­satz der Küs­ten­wa­che schnell und lücken­los auf­ge­klärt wird. Erst vier Wochen nach der Kata­stro­phe und nur durch mas­si­ven inter­na­tio­na­len Druck wur­den das gesun­ke­ne Boot und die übri­gen Toten gebor­gen.

Medi­en­be­rich­te: 

Washing­ton Post: Greece faces cri­ti­cism over migrant deaths

BBC News: Inqui­ry calls after migrants die under tow in Greece

UNHCR – State­ment on boat inci­dent off Greece coast

Euro­news: 12 peop­le die in Aege­an Sea boat tra­ge­dy

BBC: Inqui­ry calls after migrants die under tow in Greece

The Guar­di­an: Migrants saved in Greek boat acci­dent mourn rela­ti­ves – and dis­pu­te claims

Die Zeit: Zu Tode geret­tet

Taz: Mit Absicht zum Ken­tern gebracht?

Ekha­ti­mer­i­ni: Sur­vi­vors of sea tra­ge­dy say were kicked, threa­tened