Am 26. Okto­ber 2015 for­der­ten ver­schie­de­ne Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen gemein­sam mit Asyl­su­chen­den aus Eri­trea, Irak, Afgha­ni­stan und Syri­en das Gericht in Lil­le auf, einem Dring­lich­keits­an­trag statt­zu­ge­ben, um Not­maß­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gun­gen von Flücht­lin­gen und Migran­tIn­nen in Calais zu ergrei­fen. Die im dor­ti­gen Camp huma­ni­tär täti­gen Orga­ni­sa­tio­nen klag­ten die fran­zö­si­schen Behör­den an, ange­sichts der unmensch­li­chen Bedin­gun­gen, unter denen im Raum Calais rund 6.000 Schutz­su­chen­de leben, untä­tig zu blei­ben. Ein­ge­reicht hat­ten den Antrag Méde­cins du Mon­de, Secours Catho­li­que, La Cima­de, La Ligue des droits de l´Homme, Amnes­ty Inter­na­tio­nal Fran­ce und ande­re. Die ohne­hin mise­ra­blen Lebens­be­din­gun­gen im soge­nann­ten „Jung­le von Calais“ wür­den sich mit dem bevor­ste­hen­den Win­ter wei­ter ver­schär­fen, so die War­nung der Orga­ni­sa­tio­nen. Meh­re­re NGOs hat­ten die Bedin­gun­gen in Calais als „schlech­ter als in Flücht­lings­la­gern in Kriegs­ge­bie­ten“ bezeich­net.

Das Gericht bestä­tig­te in sei­nem Urteil vom 2. Novem­ber 2015, dass auf Grund­la­ge der Berich­te von Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen und Medi­en von einer Not­si­tua­ti­on aus­zu­ge­hen sei. Die Behör­den müss­ten die Grund­rech­te und -frei­hei­ten der Men­schen, die als Schutz­su­chen­de in Calais leben, garan­tie­ren. Die Rich­te­rin befand, dass der unzu­rei­chen­de Zugang zu Was­ser und Toi­let­ten und die feh­len­de Müll­ent­sor­gung die Bewoh­ne­rIn­nen des Camps dem Risi­ko unmensch­li­cher und ernied­ri­gen­der Behand­lung aus­setz­ten. Die Behör­den von Calais wur­den ange­wie­sen 10 zusätz­li­che Was­ser­an­schlüs­se und 50 Latri­nen sowie ein Sys­tem zur Abfall­ent­sor­gung zu instal­lie­ren. In einergemein­sa­men Pres­se­er­klä­rung begrüß­ten Medé­cins du Mon­de und Secours Catho­li­que-Cari­tas Fran­ce das Urteil als „ers­ten posi­ti­ven Schritt“. Den­noch sei ihrer For­de­rung nach einer win­ter­fes­ten Unter­brin­gung der rund 6.000 Bewoh­ne­rIn­nen des Camps nicht nach­ge­kom­men wor­den.

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