In einem offe­nen Brief vom 20. Mai 2015 hat­ten über 300 Wis­sen­schaft­le­rIn­nen, die zu den The­men Migra­ti­on und Skla­ve­rei for­schen, mit deut­li­chen Wor­ten den geplan­ten Mili­tär­ein­satz der EU gegen Schlep­per in Nord­afri­ka kri­ti­siert. Anlass war die Äuße­rung des ita­lie­ni­schen Pre­mier­mi­nis­ters Matteo Ren­zi gewe­sen, Schleu­ser sei­nen „die Skla­ven­händ­ler des 21. Jahr­hun­derts“ – die EU-Ope­ra­ti­on kön­ne daher mit der Bekämp­fung des Skla­ven­han­dels im 18. Jahr­hun­dert ver­gli­chen wer­den. Die For­sche­rin­nen und For­scher hin­ge­gen dreh­ten Ren­zis Argu­men­ta­ti­on um: In Wirk­lich­keit sei es das Agie­ren der EU, das an die Hal­tung der dama­li­gen Skla­ven­staa­ten erin­ne­re. Mit dem Ver­such, Schmugg­ler­netz­wer­ke zu zer­stö­ren ohne alter­na­ti­ve siche­re Wege aus Nord­afri­ka zu öff­nen, beab­sich­ti­ge Euro­pa, die Mobi­li­tät von Afri­ka­ne­rIn­nen mit Stra­te­gi­en zu beschrän­ken, die an die­je­ni­ge von Skla­ven­händ­lern ver­gan­ge­ner Jahr­hun­der­te erin­ner­ten. „Wo ist die mora­li­sche Recht­fer­ti­gung mit der eini­ge der reichs­ten Natio­nen ihre See­macht und tech­no­lo­gi­sche Stär­ke ein­set­zen und damit den Tod von Män­nern, Frau­en und Kin­dern aus eini­gen der ärms­ten und am stärks­ten von Krieg erschüt­ter­ten Län­dern welt­weit ver­ur­sa­chen? Mit einer gefähr­li­chen Ver­dre­hung der Geschich­te wird nun die­se Fra­ge beant­wor­tet“, heißt es in dem Brief.

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