01.10.2011

Newsletter Oct 2011

Am 21. Sep­tem­ber 2011 hat der Bun­des­tag über die soge­nann­te Resi­denz­pflicht debat­tiert. Die Rede­bei­trä­ge zum Antrag der SPD „Mehr Bewe­gungs­frei­heit für Asyl­su­chen­de und Gedul­de­te“ wur­den jedoch ledig­lich zu Pro­to­koll (Sei­te 14974) gege­ben. Umso sorg­fäl­ti­ger hät­ten eini­ge der zu Pro­to­koll reden­den ihre Manu­skrip­te noch ein­mal durch­se­hen müs­sen. Was sich da abseits aller poli­ti­schen Bewer­tun­gen an frag­wür­di­gen Sach­ver­halts­dar­stel­lun­gen fin­det, ist beträcht­lich. So behaup­tet Micha­el Frie­se von der CDU/CSU, wenn „die­se Men­schen sich völ­lig gren­zen­los bewe­gen und nie­der­las­sen dürf­ten“ – letz­te­res war nicht Gegen­stand des Antra­ges – „bestün­de die Gefahr, dass eini­ge das Ende ihres Asyl­ver­fah­rens nicht abwar­ten wür­den, son­dern ver­su­chen wür­den, sich dem Zugriff des Staa­tes durch stän­di­gen Umzug […] zu ent­zie­hen“. Die Ver­pflich­tung zur Wohn­sitz­nah­me an einem bestimm­ten Ort aller­dings ist etwas ande­res als die „Resi­denz­pflicht“. Offen­bar dem­sel­ben Irr­tum unter­liegt aller­dings auch Hel­mut Brandt von der CDU/CSU, der meint, wenn man die Resi­denz­pflicht abschaf­fen wür­de, müs­se zuvor die Fra­ge der Kos­ten­trä­ger­schaft ein­deu­tig geklärt wer­den, um Unge­rech­tig­kei­ten zwi­schen Flä­chen­län­dern und Stadt­staa­ten zu ver­mei­den. Wäh­rend die­se Bei­trä­ge aller­dings von einer gewis­sen Mäßi­gung geprägt sind, lässt sich das vom Rede­bei­trag des FDP-Abge­ord­ne­ten Hart­frid Wolff nicht behaup­ten. Die­ser behaup­tet tat­säch­lich, die Ein­schrän­kung der Bewe­gungs­frei­heit füh­re nicht zu einer uner­wünsch­ten sozia­len Iso­la­ti­on, son­dern hel­fe mit, dass die Betrof­fe­nen sich nicht in weni­gen Bal­lungs­räu­men ball­ten und eth­nisch homo­ge­ne Milieus bil­den kön­nen. Die Resi­denz­pflicht ist die­ser schrä­gen Welt­sicht nach das pro­ba­te Mit­tel, um die Bil­dung von Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten zu ver­hin­dern. Wer nach Deutsch­land mit der Absicht kom­me, hier auf Dau­er blei­ben zu wol­len, möge sich hier inte­grie­ren – am zuge­wie­se­nen Wohn­ort. Bei der FDP scheint ange­sichts der letz­ten Wahl­er­geb­nis­se wirk­lich freie Rede von der Res­ter­am­pe ange­sagt zu sein.