01.03.2013

Newsletter Mar 2013

Als der Bür­ger­krieg in Liby­en aus­brach, sahen sich zehn­tau­sen­de Men­schen zur Flucht gezwun­gen, die schon vor­her Flücht­lin­ge und Migran­ten waren. Tau­sen­de von ihnen flo­hen nach Tune­si­en in das vom UNHCR in der Wüs­te errich­te­te Flücht­lings­la­ger Chou­cha. Ein Teil der Flücht­lin­ge konn­te dank des soge­nann­ten Resett­le­ment-Ver­fah­rens des UNHCR in einen siche­ren Staat umge­sie­delt wer­den – in die USA, nach Kana­da oder Euro­pa. Ein Teil ver­lor alle Hoff­nung und mach­te sich auf eige­ne Faust Rich­tung Euro­pa auf – eini­ge Flücht­lin­ge aus Chou­cha kamen dabei im Mit­tel­meer um. Noch immer sit­zen hun­der­te Flücht­lin­ge im Zelt­la­ger in der Wüs­te fest und war­ten unter kaum erträg­li­chen Lebens­be­din­gun­gen dar­auf, end­lich irgend­wo an einem siche­ren Ort auf­ge­nom­men zu wer­den. Doch ein Teil der Men­schen in Chou­cha sieht sich sei­ner Chan­ce beraubt, anders­wo ein neu­es Leben zu begin­nen. Rund 230 der Schutz­su­chen­den hat UNHCR kei­nen Flücht­lings­sta­tus zuge­spro­chen. Die Betrof­fe­nen haben damit kei­ne Chan­ce, im Rah­men des UNHCR-Resett­le­ment-Ver­fah­rens umge­sie­delt zu wer­den. Im Camp Chou­cha blei­ben kön­nen sie auch nicht: Seit Novem­ber 2012 berich­ten Betrof­fe­ne davon, dass ihnen der Zugang zu Lebens­mit­teln und medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung im Camp ver­wehrt wird. Eini­ge aus die­ser Grup­pe sol­len mitt­ler­wei­le schwer erkrankt sein. Rund 100 der Betrof­fe­nen pro­tes­tier­ten seit dem 28. Janu­ar 2013 über meh­re­re Tage in Tunis gegen ihre aus­sichts­lo­se Lage. Der Pro­test rich­tet sich an die Euro­päi­sche Uni­on, das UN-Flücht­lings­kom­mis­sa­ri­at und die tune­si­schen Behör­den. Bis­lang lehnt Tune­si­en ab, den Betrof­fe­nen einen Auf­ent­halts­sta­tus zu gewäh­ren. UNHCR wie­der­um, dem die Betrof­fe­nen vor­wer­fen, sie sei­en auf­grund unqua­li­fi­zier­ter Dol­met­scher und has­ti­ger Ver­fah­ren abge­lehnt wor­den, will ihre Fäl­le nicht noch­mals prü­fen. Auch eine huma­ni­tä­re Lösung – etwa eine Auf­nah­me in EU-Staa­ten jen­seits des regu­lä­ren Resett­le­ment-Ver­fah­rens von UNHCR – ist bis­lang nicht in Sicht.