01.11.2014

Newsletter Nov 2014

Die Bun­des­re­gie­rung hat am 14. Okto­ber 2014 eine klei­ne Anfra­ge der Bun­des­tags­frak­ti­on Die Lin­ke zum The­ma „Das Ende der Ope­ra­ti­on Mare Nostrum und die stei­gen­de Zahl ertrun­ke­ner Flücht­lin­ge im Mit­tel­meer“ (BT-Druck­sa­chen 18/2923 und 18/2573) beant­wor­tet. Die Bun­des­re­gie­rung hält fest, dass ihrer Kennt­nis nach die Zahl der Todes­op­fer mit dem stei­gen­den Migra­ti­ons­druck über das Mit­tel­meer gestie­gen ist. Die EU-Außen­grenz­agen­tur Fron­tex habe aller­dings nur über 143 bestä­tig­te Todes­op­fer im Zeit­raum von Janu­ar bis August 2014 berich­tet. Nach Anga­ben der ita­lie­ni­schen Regie­rung sei­en durch die ita­lie­ni­sche Ope­ra­ti­on Mare Nostrum bis Sep­tem­ber 2014 zir­ka 116.000 „Migran­ten fest­ge­stellt wor­den“. Über Unter­stüt­zungs­bei­trä­ge ande­rer EU-Staa­ten für Mare Nostrum weiß die Bun­des­re­gie­rung nur von einem slo­we­ni­schen Patrouil­len­boot zu berich­ten, was den Ein­druck bestä­tigt, Ita­li­en sei mit der See­not­ret­tung ziem­lich allein­ge­las­sen wor­den. Zur aktu­el­len Lage von Flücht­lin­gen, Migran­tin­nen und Migran­ten in Liby­en zitiert die Bun­des­re­gie­rung Quel­len, nach denen es der­zeit ca. 140.000 Bin­nen­ver­trie­be­ne sowie ca. 37.000 als Flücht­lin­ge und Asyl­su­chen­de regis­trier­te Per­so­nen aus Syri­en, den Paläs­ti­nen­ser­ge­bie­ten, Eri­trea und dem Irak in Liby­en gibt. Dar­über hin­aus sol­len sich an der Küs­te wei­te­re 100.000 syri­sche Flücht­lin­ge auf­hal­ten, deren Situa­ti­on auf­grund der seit Juli 2014 anhal­ten­den Unru­hen und Kämp­fe kri­tisch sei. Inter­es­sant die Aus­füh­rung der Bun­des­re­gie­rung zur Prio­ri­tä­ten­set­zung bei den ope­ra­ti­ven Schwer­punk­ten der künf­ti­gen Ope­ra­ti­on Tri­ton, die im Novem­ber Mare Nostrum ablö­sen soll, ohne deren See­not­ret­tungs­schwer­punkt wei­ter zu füh­ren: „Ope­ra­ti­ver Schwer­punkt des Fron­tex koor­di­nier­ten Ein­sat­zes „Tri­ton“ soll­te aus Sicht der Bun­des­re­gie­rung die Unter­stüt­zung Ita­li­ens bei der Über­wa­chung sei­ner See­au­ßen­gren­ze sein. In die­sem Zusam­men­hang soll­te der Ein­satz auch über Kapa­zi­tä­ten zur Ret­tung von Men­schen aus See­not ver­fü­gen. Dar­über hin­aus soll­te der Ein­satz zwin­gend zur Über­füh­rung von Schleu­ser­or­ga­ni­sa­tio­nen bei­tra­gen.“ Also: Schwer­punkt: Grenz­über­wa­chung. Zwin­gend: Schleu­ser­be­kämp­fung. Falls es die Kapa­zi­tä­ten erlau­ben: Die Ret­tung von Men­schen aus See­not. Ähn­li­che Prio­ri­tä­ten bringt die Bun­des­re­gie­rung, so die Ant­wort auf Fra­ge 33, in die EU-Debat­ten um eine euro­päi­sche Ant­wort auf den stei­gen­den Migra­ti­ons­zu­strom über das Mit­tel­meer ein. TOP 1: Bes­se­re Über­wa­chung der Außen­gren­zen. Gar kein TOP: Huma­ne Auf­nah­me von Flücht­lin­gen oder gar ein Ret­tungs­pro­gramm für die in Liby­en gestran­de­ten Flücht­lin­ge (sie­he auch Ant­wort auf Fra­ge 35). Befragt zu Erkennt­nis­sen, wie vie­le Asyl­su­chen­de mut­maß­lich über Ita­li­en in die EU gelangt sei­en, für die es kei­nen Tref­fer im euro­päi­schen Fin­ger­ab­druck­sys­tem Euro­dac gebe, zeigt sich die Bun­des­re­gie­rung über­ra­schend zurück­hal­tend. Dies las­se sich sta­tis­tisch nicht erfas­sen.