Die Bun­des­re­gie­rung hat am 21.7.2016 eine Klei­ne Anfra­ge der Bun­des­tags­frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen beant­wor­tet (BT-Druck­sa­che 18/9136, 18/9273). Es geht um „Unbe­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge im Asyl­ver­fah­ren“. Die Zahl der erfass­ten Asyl­an­trä­ge unbe­glei­te­ter min­der­jäh­ri­ger Flücht­lin­ge ist in die­sem Jahr stark ange­stie­gen, auf 18.000 Per­so­nen im ers­ten Halb­jahr 2016. Dem steht eine recht gerin­ge Zahl von Ent­schei­dun­gen des Bun­des­am­tes bei unbe­glei­te­ten Min­der­jäh­ri­gen gegen­über. Wenn aller­dings ent­schie­den wird, sind die Chan­cen gut. Die Aner­ken­nungs­quo­te liegt bei fast 90 Pro­zent und damit wesent­lich über der von voll­jäh­ri­gen Flücht­lin­gen. Unbe­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge (UMF) sind in beson­de­rem Maße von der lang­sa­men Bear­bei­tung der Asyl­ge­su­che beim BAMF betrof­fen, so die fra­ge­stel­len­de Frak­ti­on, da die meis­ten bei der Ein­rei­se im Alter von 16 und 17 Jah­ren sind und bei Errei­chen der Voll­jäh­rig­keit die in der Min­der­jäh­rig­keit lie­gen­den Flucht­ur­sa­chen kaum noch Beach­tung fin­den. Fast 8.000 Asy­l­erst­an­trä­ge von UMF wur­den in die­sem Jahr für das Jahr 2015 nach­er­fasst. Die Haupt­her­kunfts­län­der von UMF sind Afgha­ni­stan, Syri­en, Eri­trea und der Irak. Die durch­schnitt­li­che Bear­bei­tungs­dau­er der Asyl­an­trä­ge von UMF von sta­tis­tisch 7,4 Mona­ten wur­de bis­lang durch die rela­tiv gro­ße Zahl von Ent­schei­dun­gen zu Syri­en geschönt, wäh­rend z.B. eri­trei­sche, afgha­ni­sche, soma­li­sche, marok­ka­ni­sche, alge­ri­sche und äthio­pi­sche UMF Ent­schei­dungs­dau­ern weit ober­halb die­ses Durch­schnitts hat­ten. Über­ra­schend nied­rig sind die Fäl­le, in denen im Jahr 2016 eine Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung von UMF mit ihren Eltern bzw. Ver­wand­ten in Deutsch­land vor­ge­nom­men wor­den ist. Die Dub­lin-Ver­ord­nung sieht die­se Mög­lich­keit vor. Kei­ne Zah­len wer­den beim BAMF erho­ben, die die inter­es­san­te Fra­ge beant­wor­ten wür­den, wie vie­le Asyl­an­trä­ge von UMF erst nach Voll­endung des 18. Lebens­jah­res beschie­den wur­den. Die Fra­ge­stel­ler hat­ten schon ein­mal ergän­zend, offen­bar den Unwil­len der Bun­des­re­gie­rung zur Beant­wor­tung vor­aus­ge­setzt, die Fra­ge gestellt, wie­so eigent­lich das Bun­des­amt aus den MARIS-Daten­sät­zen, die es vor­rä­tig hat, nicht her­aus­fil­tern kann, wenn ein UMF einen Asyl­an­trag gestellt und erst als voll­jäh­ri­ge Per­son eine Ent­schei­dung bekom­men hat. Auch Erkennt­nis­se, aus wel­chen zen­tra­len Grün­den UMF Schutz in Deutsch­land gewährt wird, lie­gen im Bun­des­amt nicht vor. Dabei knüp­fen an vie­le der zugrun­de­lie­gen­den Flucht­mo­ti­ve öffent­li­che Dis­kus­sio­nen an, zu denen das Bun­des­amt einen infor­ma­ti­ven Bei­trag in Form einer Sta­tis­tik lie­fern könn­te. Da geht es um Din­ge wie Zwangs­re­kru­tie­rung, Geni­tal­ver­stümm­lung, Zwangs­ver­hei­ra­tung, Kin­der­han­del, häus­li­che und fami­li­är beding­te Gewalt. Der Bun­des­fach­ver­band Unbe­glei­te­te Min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge hat die Anfra­ge­be­ant­wor­tung in einer Pres­se­mit­tei­lung am 26.7.2016 kom­men­tiert.

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