Die Bun­des­re­gie­rung hat am 28.7.2016 eine Klei­ne Anfra­ge der Bun­des­tags­frak­ti­on Die Lin­ke (BT-Druck­sa­chen 18/8957, 18/9303) „Pro­ble­me beim Fami­li­en­nach­zug von Flücht­lin­gen in Grie­chen­land und zu sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­ten“ beant­wor­tet. Die Bun­des­re­gie­rung erklärt unter ande­rem, sie beken­ne sich wei­ter zur Ver­pflich­tung zur Auf­nah­me von 27.500 Flücht­lin­gen aus Ita­li­en und Grie­chen­land im Rah­men einer EU-Umsied­lungs­ak­ti­on. Bei aus bei­den Staa­ten ins­ge­samt 57 auf­ge­nom­me­nen Per­so­nen han­de­le es sich dabei um ers­te Pilot­ver­fah­ren. Maka­ber: Die­se Maß­nah­men zur Ent­las­tung von Ita­li­en und Grie­chen­land sol­len im grö­ße­ren Stil erst nach der Eta­blie­rung des Resett­le­ment-Ver­fah­rens aus der Tür­kei anlau­fen. Ergo: Tür­kei-Deal vor Soli­da­ri­tät mit den Mit­glieds­staa­ten. Die Anfra­ge­be­ant­wor­tung weist wei­ter aus, dass der Anteil aus syri­schen Asyl­an­trag­stel­lern ledig­lich noch gewähr­ten sub­si­diä­ren Schut­zes deut­lich gestie­gen ist. Bereits im ers­ten Monat nach Inkraft­tre­ten des Asyl­pa­ke­tes II betrug er 42,8%. Es wird von Sei­ten der Bun­des­re­gie­rung behaup­tet, dass bei syri­schen Asyl­su­chen­den seit Wie­der­auf­nah­me der per­sön­li­chen Anhö­rung ver­mehrt ein Bür­ger­kriegs­schick­sal, nicht jedoch ein indi­vi­du­el­les Ver­fol­gungs­schick­sal, vor­lie­ge. Glaub­haft ist das nicht. Viel­mehr offen­bart sich ein Zusam­men­hang zwi­schen der zwei­jäh­ri­gen Aus­set­zung des Fami­li­en­nach­zugs durch das Asyl­pa­ket II und der ver­stärk­ten Nut­zung des sub­si­diä­ren Schut­zes, also der Schutz­form, die von der Aus­set­zung des Nach­zu­ges betrof­fen ist. Hat­te nicht die SPD im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Aus­schluss von Fami­li­en­nach­zug nur weni­ge Per­so­nen betref­fe und gemeint, syri­sche Flücht­lin­ge soll­ten gar nicht betrof­fen sein? Befragt nach einer Erklä­rung für den hohen Anteil sub­si­diä­ren Schut­zes vor dem Hin­ter­grund der Recht­spre­chung und von Ein­schät­zun­gen des UNHCR schwa­dro­niert die Bun­des­re­gie­rung von einer indi­vi­du­el­len Bewer­tung der Ein­zel­fäl­le. Man ori­en­tie­re sich in einer Gesamt­schau an der ein­schlä­gi­gen Recht­spre­chung. Ers­te Ent­schei­dun­gen der Gerich­te aber stüt­zen die Auf­fas­sung der Bun­des­re­gie­rung kei­nes­wegs.

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