Der Umgang Bulgariens mit Asylsuchenden ist seit vielen Jahren unsäglich. Zwar hat sich die Zahl der im Lande gestellten Asylanträge seit 2013 fast verdreifacht. Doch der Großteil der Asylantragsteller verlässt das Land so schnell wie möglich. Über die Zustände in Bulgarien berichtet Telepolis am 26.4.2016 unter der Überschrift „Bulgarien: ‚Bürgerarreste‘ von Flüchtlingen unterminieren staatliches Gewaltmonopol“. Die Überschrift bezieht sich auf die zuletzt vermehrt auftretenden „Bürgerpatrouillen“, die auf eigene Faust im bulgarisch-türkischen Grenzgebiet versuchen, vermeintliche Grenzverletzer festzustellen und festzusetzen. Was Aktivisten der „Zivilen Garde zum Schutz der Frauen und des Glaubens“ da vor Kameras tun, müsste in einem demokratischen Staat Konsequenzen haben. Die Menschenjagd sei in Bulgarien inzwischen institutionalisiert, sogenannte „Bürgerarreste“ nicht nur häufig, sondern sogar Anlass für Lob und Dank von Seiten des Ministerpräsidenten: „Ich habe mich mit diesen Burschen in Verbindung gesetzt. Jede Hilfe für die Grenzpolizei und den Staat ist willkommen, vorausgesetzt die Grenzen des Rechts werden nicht überschritten. Ich habe mit ihnen gesprochen und ihnen gedankt. Ich habe ihnen den Direktor der Grenzpolizei geschickt, damit sie sich gegenseitig koordinieren.“ Soweit Boiko Borissov, der später allerdings beteuerte, er habe keineswegs zu Selbstjustiz aufrufen wollen.

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