Human Rights Watch hat am 20. Juni 2016 einen Bericht über die Situa­ti­on syri­scher Flücht­lin­ge in der Tür­kei ver­öf­fent­licht und schon in der Über­schrift die For­de­rung gestellt: „EU: Don’t Send Syri­ans Back to Tur­key“. Human Rights Watch hat­te im März und April 67 Syrer in ver­schie­de­nen Städ­ten inter­viewt und deren Pro­blem­schil­de­rung zum Aus­gangs­punkt genom­men. HRW weist dar­auf hin, dass vie­le syri­sche Flücht­lin­ge in der Tür­kei ohne effek­ti­ven Schutz im Asyl­ver­fah­ren, ohne Zugang zu Job­mög­lich­kei­ten blie­ben. HRW berich­tet über Zeit­ver­zö­ge­run­gen bei der Regis­trie­rung, bru­ta­le Push-Backs an der tür­kisch-syri­schen Gren­zen und vie­le ande­re Pro­blem­be­rei­che. In recht­li­cher Hin­sicht ver­tritt HRW die Auf­fas­sung, dass die Tür­kei im Rechts­sin­ne nicht als siche­res Dritt­land für syri­sche Flücht­lin­ge ver­stan­den wor­den kön­ne. Ein siche­rer Dritt­staat müs­se dem ein­zel­nen Asyl­an­trag­stel­ler die Chan­ce geben, einen Flücht­lings­sta­tus im Sin­ne der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on zu bean­tra­gen bzw. zu erhal­ten. Auch wenn die Tür­kei im Jahr 2013 gesetz­lich ein inter­na­tio­na­les Schutz­sys­tem ein­ge­führt habe, das indi­vi­du­el­len Asyl­an­trag­stel­lern erlau­be, einen beding­ten Flücht­lings­sta­tus zu erhal­ten, sei­en syri­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge hier­von aus­ge­schlos­sen, weil wei­ter­hin syri­sche Flücht­lin­ge im Rah­men des zeit­wei­li­gen Schut­zes und damit außer­halb des tür­ki­schen recht­li­chen Sys­tems behan­delt wür­den. Ob die Tür­kei ein Erst­asyl­land für Syrer im Rechts­sin­ne sein kön­ne, sei nach ande­ren Kri­te­ri­en zu bewer­ten: Dazu gehö­re es, dass die betrof­fe­ne Per­son ent­we­der als Flücht­ling aner­kannt sein müss­te oder aus­rei­chen­den Schutz inklu­si­ve des Schut­zes vor Zurück­wei­sung in das Land erhal­ten haben müss­te, in dem ihr Leben oder Frei­heit bedroht wäre. HRW sieht das in der Tür­kei nicht gewähr­leis­tet.

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