30.03.2026

PRO ASYL und Lan­des­flücht­lings­rä­te kri­ti­sie­ren den für den heu­ti­gen Mon­tag  geplan­ten Emp­fang des syri­schen Macht­ha­bers Ahmed al-Scha­raa durch die Bun­des­re­gie­rung scharf. Selbst nach den  Mas­sa­kern in Syri­en an Alawit*innen, Drus*innen, Kurd*innen und ande­ren Min­der­hei­ten emp­fängt die Bun­des­re­gie­rung einen Mann, des­sen Trup­pen an schwers­ten Men­schen­rechts­ver­bre­chen betei­ligt sind.

„Es ist ein fata­ler Wider­spruch, wenn sich deut­sche Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker auf Men­schen­rech­te beru­fen, gleich­zei­tig aber mit Akteu­ren koope­rie­ren, die schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen zu ver­ant­wor­ten haben“, erklärt Emi­ly Bar­ni­ckel vom Flücht­lings­rat Ber­lin. „Eine sol­che Poli­tik trägt zur Nor­ma­li­sie­rung von Gewalt­re­gi­men bei und unter­gräbt den Schutz von Geflüchteten.“

„Die Gesprä­che mit dem isla­mis­ti­schen Über­gangs­prä­si­den­ten dro­hen vor allem, eine zyni­sche und völ­lig rea­li­täts­fer­ne Rück­füh­rungs­de­bat­te in Deutsch­land zu befeu­ern. Not­wen­di­ge Koope­ra­tio­nen beim Wie­der­auf­bau in Syri­en müs­sen an kla­re men­schen­recht­li­che Stan­dards und den wirk­sa­men Schutz von Min­der­hei­ten geknüpft wer­den“, so Karl Kopp, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

Emp­fang von al-Scha­raa legi­ti­miert des­sen Herrschaft

Wäh­rend in Ber­lin über den Wie­der­auf­bau Syri­ens und die Abschie­bung von geflüch­te­ten Syrer*innen ver­han­delt wird, wächst die Gewalt gegen mar­gi­na­li­sier­te Bevöl­ke­rungs­grup­pen in dem Land: Kurd*innen, Jesid*innen, Drus*innen, Alawit*innen und LGBTQIA+-Personen sind von Ver­trei­bung, Gewalt und Zer­stö­rung zivi­ler Infra­struk­tur betrof­fen. Auch wenn Tei­le der Bun­des­re­gie­rung krampf­haft ver­su­chen, ein ande­res Bild zu zeich­nen: Syri­en ist auch über ein Jahr nach dem Sturz des Assad-Regimes nicht sicher

Die Lan­des­flücht­lings­rä­te und PRO ASYL war­nen vor einer sol­chen Zusam­men­ar­beit ohne wirk­sa­me men­schen­recht­li­che Bedin­gun­gen: Sie führt  zur poli­ti­schen Legi­ti­ma­ti­on eines Regimes, wel­ches wei­ter­hin für Gewalt und Ver­trei­bung von reli­giö­sen oder eth­ni­schen Grup­pen sowie LGBTQIA+-Personen steht.

Das Signal, das die Bun­des­re­gie­rung mit ihren Bemü­hun­gen um Abschie­bun­gen und mit dem Emp­fang von al-Scha­raa an die syri­sche Com­mu­ni­ty in Deutsch­land sen­det, ist fatal und aus­gren­zend: „Um euch los­zu­wer­den, ist uns jedes Mit­tel recht.“ Die­se Syri­en­po­li­tik beschä­digt das Ver­trau­en bei Hun­dert­tau­sen­den von Men­schen, die in Deutsch­land Schutz gesucht haben und längst Teil die­ser Gesell­schaft gewor­den sind.

Die Lan­des­flücht­lings­rä­te und PRO ASYL for­dern von der Bundesregierung:

  1. Einen sofor­ti­gen und unein­ge­schränk­ten Abschie­be­stopp nach Syrien.

Abschie­bun­gen in ein Land, in dem wei­ter­hin Mas­sa­ker unter Betei­li­gung der Trup­pen des Macht­ha­bers statt­fin­den kön­nen und die huma­ni­tä­re Lage kata­stro­phal ist, sind mit den inter­na­tio­na­len und euro­päi­schen Men­schen­rechts­ver­pflich­tun­gen unvereinbar.

  1. Kei­ne Ableh­nun­gen im Asyl­ver­fah­ren von syri­schen Schutz­su­chen­den und min­des­tens Schutz für Ange­hö­ri­ge von Minderheiten.

Das Bun­des­amt muss bei den Asyl­an­trä­gen, bei denen  Bedro­hung oder Ver­fol­gung klar erkenn­bar sind, zeit­nah ent­schei­den und Schutz zuer­ken­nen. Das gilt für Ange­hö­ri­ge eth­ni­scher und reli­giö­ser Min­der­hei­ten sowie für Men­schen wei­te­rer vul­nerabler Grup­pen. Bei Asyl­an­trä­gen ande­rer Per­so­nen­grup­pen soll­te das Bun­des­amt abwar­ten und kei­ne Asyl­an­trä­ge ableh­nen, solan­ge die Situa­ti­on in Syri­en so unsi­cher ist.

  1. Kei­ne Wider­rufs­ver­fah­ren, solan­ge Unter­drü­ckung, Gewalt und Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen anhalten.
  2. Kei­ne poli­ti­sche Nor­ma­li­sie­rung oder diplo­ma­ti­sche Auf­wer­tung von Akteu­ren, die für schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ver­ant­wort­lich sind.
  3. Eine Syri­en-Poli­tik, die sich nicht an kurz­fris­ti­ger migra­ti­ons­po­li­ti­scher Abschre­ckung, son­dern an Men­schen­rech­ten, Schutz und lang­fris­ti­ger Sta­bi­li­tät orientiert.
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