01.09.2026

Die Stif­tung PRO ASYL ver­leiht am 12. Sep­tem­ber ihren Men­schen­rechts­preis an Pırıl Erço­ban und Taner Kılıç aus der Tür­kei sowie an Gior­gos Tsa­r­bo­pou­los aus Grie­chen­land. Die drei Preisträger*innen ste­hen für eine men­schen­recht­li­che Pra­xis, die Schutz­su­chen­de kon­kret unter­stützt, Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen öffent­lich benennt und rechts­staat­li­che Garan­tien ver­tei­digt – gera­de dort, wo sie beson­ders stark unter Druck ste­hen: an den Außen­gren­zen Euro­pas, in Abschie­be­haft, vor Behör­den und Gerichten.

(Hin­weis zur Pres­se­kon­fe­renz und Anmel­dung sie­he wei­ter unten)

„Pırıl Erço­ban, Taner Kılıç und Gior­gos Tsa­r­bo­pou­los zei­gen, was Flücht­lings­schutz im All­tag bedeu­tet: Men­schen nicht allein zu las­sen und Rechts­ver­let­zun­gen sicht­bar zu machen. Ihr Ein­satz ist unbe­quem, beharr­lich und oft mit per­sön­li­chen Risi­ken ver­bun­den. Gera­de in einer Zeit, in der Euro­pa den Zugang zu Schutz wei­ter erschwert und die Ver­ant­wor­tung an Dritt­staa­ten aus­la­gert, brau­chen wir die­se Stim­men“, sagt Hali­ma Gut­ale, Vor­sit­zen­de des Stif­tungs­ra­tes der Stif­tung PRO ASYL.

Drei For­men beharr­li­cher Menschenrechtsarbeit

Gior­gos Tsa­r­bo­pou­los lei­te­te von 2006 bis Ende 2015 die UNHCR-Ver­tre­tung in Grie­chen­land. Er präg­te sie als unab­hän­gi­ge men­schen­recht­li­che Stim­me: prä­sent an den Außen­gren­zen, eng ver­bun­den mit Flücht­lin­gen und Zivil­ge­sell­schaft und bereit, staat­li­chen Rechts­ver­let­zun­gen öffent­lich zu wider­spre­chen. Tsa­r­bo­pou­los pran­ger­te men­schen­un­wür­di­ge Haft­be­din­gun­gen und Push­backs an, doku­men­tier­te das Ver­schwin­den von Schutz­su­chen­den am Evros und setz­te sich nach dem töd­li­chen Schiffs­un­glück vor Farm­a­ko­ni­si 2014 dafür ein, die Aus­sa­gen der Über­le­ben­den unver­züg­lich zu sichern und den Vor­fall unab­hän­gig zu unter­su­chen. Sein Grund­satz war klar: UNHCR muss dort prä­sent sein, wo Men­schen­rech­te ver­letzt wer­den, den Betrof­fe­nen Gehör ver­schaf­fen und öffent­lich spre­chen, wenn Unrecht ver­tuscht wird.

Pırıl Erço­ban wird für ihr her­aus­ra­gen­des zivil­ge­sell­schaft­li­ches Enga­ge­ment für die Rech­te von Geflüch­te­ten in der Tür­kei aus­ge­zeich­net. Als Koor­di­na­to­rin von Mül­teci-Der in Izmir beriet und beglei­te­te sie Schutz­su­chen­de, doku­men­tier­te Rechts­ver­let­zun­gen und mach­te Miss­stän­de bei Inhaf­tie­run­gen und Abschie­bun­gen öffent­lich. Früh warn­te sie vor der euro­päi­schen Poli­tik, die Ver­ant­wor­tung für den Flücht­lings­schutz an die Tür­kei aus­zu­la­gern. Seit mehr als zwei Jahr­zehn­ten ver­bin­det sie prak­ti­sche Soli­da­ri­tät und gro­ße Nähe zu den Betrof­fe­nen mit men­schen­recht­li­cher Klar­heit. Auch unter wach­sen­dem poli­ti­schen Druck bleibt Erço­ban eine muti­ge, beharr­li­che und inter­na­tio­nal ver­netz­te Stim­me für die Rech­te von Geflüchteten.

Taner Kılıç erhält den Preis für sei­ne jahr­zehn­te­lan­ge anwalt­li­che und men­schen­recht­li­che Arbeit. Der Rechts­an­walt aus Izmir gehört zu den Mit­be­grün­dern der tür­ki­schen Sek­ti­on von Amnes­ty Inter­na­tio­nal und von Mül­teci-Der. Weil er Men­schen­rech­te ver­tei­dig­te, geriet er selbst ins Visier der tür­ki­schen Jus­tiz: 2017 wur­de er fest­ge­nom­men, mehr als 14 Mona­te in Unter­su­chungs­haft gehal­ten und 2020 ohne glaub­wür­di­ge Bewei­se zu sechs Jah­ren und drei Mona­ten Haft ver­ur­teilt. Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te stell­te fest, dass Kılıç rechts­wid­rig und will­kür­lich inhaf­tiert war und sei­ne Rech­te auf Frei­heit und Sicher­heit sowie auf Mei­nungs­frei­heit ver­letzt wur­den. Erst im Febru­ar 2025 ende­te das fast acht­jäh­ri­ge Ver­fah­ren mit sei­nem end­gül­ti­gen Freispruch.

In den nächs­ten Tagen wer­den Inter­views mit den Preisträger*innen hier ver­öf­fent­licht.

Euro­pa ver­schärft die Kri­se des Flüchtlingsschutzes

Mit der Aus­zeich­nung rich­tet die Stif­tung PRO ASYL den Blick auf die sys­te­ma­ti­schen Rechts­ver­let­zun­gen an Euro­pas Gren­zen. Grie­chen­land steht seit Jah­ren für rechts­wid­ri­ge Zurück­wei­sun­gen, Gewalt an den Gren­zen, unzu­rei­chen­den Zugang zu Asyl und die man­geln­de Auf­klä­rung töd­li­cher Vor­fäl­le. In der Tür­kei gera­ten Geflüch­te­te und die­je­ni­gen, die ihre Rech­te ver­tei­di­gen, unter wach­sen­den poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Druck.

Statt die­se Ent­wick­lun­gen zu kor­ri­gie­ren, hat die Euro­päi­sche Uni­on die Tür­kei mit dem EU-Tür­kei-Deal zum zen­tra­len Tür­ste­her ihrer Abschot­tungs­po­li­tik gemacht. Das seit Juni 2026 anzu­wen­den­de Gemein­sa­me Euro­päi­sche Asyl­sys­tem setzt die­se Logik fort: mehr Grenz­ver­fah­ren, mehr Frei­heits­be­schrän­kun­gen bis hin zu Haft, aus­ge­wei­te­te Kon­zep­te soge­nann­ter siche­rer Dritt­staa­ten und noch stär­ke­re Anrei­ze, Schutz­ver­ant­wor­tung auszulagern.

„Der Men­schen­rechts­preis ist des­halb mehr als eine Wür­di­gung. Er ist ein poli­ti­sches Signal: Men­schen­rech­te gel­ten nicht nur im Inne­ren Euro­pas. Sie gel­ten an den Gren­zen, auf dem Meer, in Haft­zen­tren und in jedem ein­zel­nen Asyl­ver­fah­ren. Wer sie dort ver­tei­digt, ver­tei­digt den Rechts­staat ins­ge­samt“, so Gutale.

Preis­ver­lei­hung und Pressekonferenz

Die öffent­li­che Preis­ver­lei­hung fin­det am Sams­tag, 12. Sep­tem­ber 2026, von 14 bis 16 Uhr im Haus am Dom, Dom­platz 3, Frank­furt am Main, statt. Die Lau­da­tio auf die drei Preisträger*innen hält Can Gülcü, Geschäfts­füh­rer der Otto Bren­ner Stif­tung. Medienvertreter*innen sind zu der Prä­senz­ver­an­stal­tung herz­lich ein­ge­la­den (eine Anmel­dung unter presse@proasyl.de ist erwünscht, aber nicht erforderlich).

Bereits am Frei­tag, 11. Sep­tem­ber 2026, um 10 Uhr fin­det mit den drei Preisträger*innen im Haus am Dom eine Pres­se­kon­fe­renz statt. Eine Online-Teil­nah­me ist mög­lich. Bit­te mel­den Sie sich bis Don­ners­tag, 10. Sep­tem­ber 2026, 12 Uhr, unter presse@proasyl.de mit der Infor­ma­ti­on, ob Sie vor Ort oder online teil­neh­men möch­ten, an.

Der Men­schen­rechts­preis der Stif­tung PRO ASYL

Die Stif­tung PRO ASYL ver­leiht den Men­schen­rechts­preis seit 2006 jähr­lich an Per­sön­lich­kei­ten, die sich in her­aus­ra­gen­der Wei­se für die Ach­tung der Men­schen­rech­te und den Schutz von Flücht­lin­gen in Deutsch­land und Euro­pa ein­set­zen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Preisträger*innen erhal­ten zudem eine Skulp­tur des Künst­lers Ari­el Aus­len­der, Pro­fes­sor an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Darmstadt.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den bis­he­ri­gen Preisträger*innen: sie­he hier im Abschnitt “Der Men­schen­rechts­preis der Stif­tung PRO ASYL”.

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