05.06.2026
Nach Sene­gal plant auch Gha­na, sei­ne Geset­ze gegen que­e­re Men­schen mas­siv zu ver­schär­fen. Ein jüngst beschlos­se­nes Gesetz mit mas­si­ven Haft­stra­fen lässt der Prä­si­dent zwar aktu­ell über­prü­fen, es droht aber wei­ter­hin, zu kom­men. PRO ASYL und der LSVD – Ver­band Que­e­re Viel­falt for­dern von der Bun­des­re­gie­rung, bei­de Län­der von der Lis­te „siche­rer Her­kunfts­staa­ten“ zu streichen.

Das geplan­te Gesetz in Gha­na wür­de die bereits bestehen­den Stra­fen für alle For­men nicht­he­te­ro­se­xu­el­ler Bezie­hun­gen ver­fes­ti­gen und ihre „Unter­stüt­zung“ dras­tisch kri­mi­na­li­sie­ren. Auch im Sene­gal wur­de im März 2026 ein Gesetz beschlos­sen, das „homo­se­xu­el­le Hand­lun­gen“ und die För­de­rung quee­ren Lebens unter hohe Stra­fen stellt. Bei­de Län­der gel­ten in Deutsch­land als angeb­lich siche­re Her­kunfts­staa­ten. Das führt zu ver­kürz­ten Asyl­ver­fah­ren, weni­ger Ver­fah­rens­rech­ten und einer erhöh­ten Beweis­last auf Sei­ten der Schutz­su­chen­den, dass sie gefähr­det sind. Quee­ren Asyl­su­chen­den erschwert das mas­siv, einen Schutz­sta­tus zu bekom­men, denn aus Angst spre­chen sie oft erst spät im Asyl­ver­fah­ren oder erst danach offen über ihr Queersein.

„Die Ein­stu­fung von Gha­na und Sene­gal als ‚siche­re Her­kunfts­staa­ten‘ hat schon lan­ge nichts mit der Rea­li­tät vor Ort zu tun, das zei­gen die aktu­el­len LGBTQI*-feindlichen Geset­zes­in­itia­ti­ven. Die Bun­des­re­gie­rung muss der Rea­li­tät ins Auge schau­en und die bei­den Län­der end­lich von der Lis­te der siche­ren Her­kunfts­län­der strei­chen“, sagt Wieb­ke Judith, rechts­po­li­ti­sche Spre­che­rin von PRO ASYL.

„Das neue Gesetz in Gha­na wür­de nahe­zu jede Form quee­ren Lebens mit Gefäng­nis­stra­fen bele­gen und gleicht mit einer Mel­de­pflicht für die Bürger*innen einer staat­lich ver­ord­ne­ten Homo­pho­bie. Gha­na und Sene­gal als ‚siche­re Her­kunfts­län­der‘ ein­zu­stu­fen, ver­harm­lost die dor­ti­ge Ver­fol­gung. Die Bun­des­re­gie­rung lässt damit nicht nur LGBTQI*-Menschen vor Ort im Stich, son­dern erschwert es ihnen auch, hier im Asyl­ver­fah­ren zu Schutz zu kom­men“, so Alva Trä­bert vom LSVD+  – Ver­band Que­e­re Vielfalt.

Sene­gal: „Homo­se­xu­als will no lon­ger brea­the in this coun­try“ (1)

Sene­gal hat am 11. März 2026 sei­ne Anti-LGTBQI*-Gesetze erheb­lich ver­schärft. Die ursprüng­li­che Höchst­frei­heits­stra­fe für homo­se­xu­el­le Hand­lun­gen wur­den auf zehn Jah­re ver­dop­pelt, die Geld­stra­fe von bis­lang maxi­mal 1,5 Mil­lio­nen CFA-Franc (rund 2.300 Euro) auf 10 Mil­lio­nen CFA-Franc ange­ho­ben (rund 15.200 Euro). Die „För­de­rung und Unter­stüt­zung“ von Que­er­sein kann nun mit drei bis sie­ben Jah­ren Haft bestraft werden.

Das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren war von einer öffent­li­chen que­er­feind­li­chen Rhe­to­rik beglei­tet. Die jus­ti­zi­el­le Ver­fol­gung von Homo­se­xu­el­len in dem Land nimmt seit Anfang 2026 zu. Seit Febru­ar wur­den über 30 Men­schen fest­ge­nom­men wegen des Vor­wurfs der gleich­ge­schlecht­li­chen Bezie­hung, der angeb­lich „frei­wil­li­gen Über­tra­gung von HIV“   und seit April auch Frau­en wegen „Les­ben­tum“. Im April wur­de erst­mals eine Per­son nach dem neu­en Gesetz zu sechs Jah­ren Haft ver­ur­teilt.

Gha­na: Ver­ord­ne­te gesell­schaft­li­che Queerfeindlichkeit

Das Anti-LGBTQI*-Gesetz „Fami­ly Values Bill“ wur­de bereits im August 2021 in das gha­nai­sche Par­la­ment ein­ge­bracht, 2024 ver­ab­schie­det und schei­ter­te zunächst an der Unter­schrift des dama­li­gen Prä­si­den­ten Nana Aku­fo-Addo. Im Febru­ar 2025 erneut in das Par­la­ment ein­ge­bracht, wur­de es nun am 29. Mai beschlos­sen – Prä­si­dent Maha­ma lässt es aber nun recht­lich prü­fen wegen Unstim­mig­kei­ten im Gesetzgebungsverfahren.

Mit dem Gesetz wür­de die bereits bestehen­de Kri­mi­na­li­sie­rung aller For­men nicht­he­te­ro­se­xu­el­ler Bezie­hun­gen und quee­rer Iden­ti­tät ver­schärft: Für homo­se­xu­el­le Hand­lun­gen und selbst nur für die Iden­ti­fi­ka­ti­on als LGBTQI* sind drei Jah­re Gefäng­nis­stra­fe vor­ge­se­hen. Denun­zia­ti­on wür­de mas­siv geför­dert, indem gha­nai­sche Bürger*innen ver­pflich­tet wer­den, Ver­stö­ße gegen das Gesetz anzu­zei­gen. Wer sich für Rech­te von quee­ren Men­schen ein­setzt, kann dann mit bis zu fünf Jah­ren Gefäng­nis bestraft wer­den. Die Bil­dung oder Unter­stüt­zung von LGBTQI*-Organisation und das Ver­brei­ten von LGBTQI*-Inhalten sol­len mit einer Frei­heits­stra­fe von fünf bis zehn Jah­ren geahn­det wer­den. Zudem gel­ten mit Inkraft­tre­ten des Geset­zes alle Grup­pen und Orga­ni­sa­tio­nen, die LGBTQI*-Aktivitäten in irgend­ei­ner Wei­se för­dern, als aufgelöst.

Auch Recht­spre­chung und Asyl­sta­tis­tik wider­le­gen Sicher­heits­an­nah­me für Sene­gal und Ghana

Zahl­rei­che Ver­wal­tungs­ge­rich­te haben die Ein­stu­fung von Gha­na und Sene­gal als sicher für euro­pa­rechts­wid­rig erklärt, unter ande­rem wegen der dor­ti­gen Gefähr­dung von LGBTQI*-Personen. Eine inhalt­li­che Aus­wer­tung die­ser Recht­spre­chung, die bereits vor der nun restrik­ti­ve­ren Geset­zes­la­ge in den Län­dern statt­fand, fin­den Sie hier.

Trotz der Ein­stu­fung als „siche­re Her­kunfts­staa­ten“ ver­gibt das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge Asyl­su­chen­den aus die­sen Län­dern zu einem nicht uner­heb­li­chen Teil Schutz: Für Sene­gal lag die berei­nig­te Schutz­quo­te für Erst­an­trä­ge im Jahr 2025 bei 6,3 Pro­zent. 2026 erhiel­ten bis Ende Mai bei 38 inhalt­li­chen Ent­schei­dun­gen über Erst­an­trä­ge sogar acht Per­so­nen Schutz, also mit 21 Pro­zent etwa jede fünf­te Per­son. Bei Gha­na lag die berei­nig­te Schutz­quo­te für Erst­an­trä­ge im Jahr 2025 bei 6,1 Pro­zent und 2026 bis Ende Mai bei 4,2 Prozent.

(1) Unter Applaus vor­ge­tra­ge­ner Wort­bei­trag in der par­la­men­ta­ri­schen Debat­te zu dem Gesetz vom Abge­ord­ne­tem Dia­raye Ba

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