13.05.2026

Anläss­lich der bevor­ste­hen­den Anhö­rung zur Ankla­ge­be­stä­ti­gung gegen den Liby­er Kha­led Moha­med Ali El Hishri vor dem Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof for­dert PRO ASYL: Deutsch­land und Euro­pa müs­sen ange­sichts ihrer Mit­ver­ant­wor­tung für sys­te­ma­ti­sche Ver­bre­chen gegen Geflüch­te­te in Liby­en jede Unter­stüt­zung der soge­nann­ten liby­schen Küs­ten­wa­che stoppen!

„Der Fall El Hishri zeigt, wohin die euro­päi­sche Poli­tik der Abschot­tung führt“, erklärt Karl Kopp, Co-Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL. „Die Euro­päi­sche Uni­on arbei­tet seit Jah­ren mit kri­mi­nel­len liby­schen Akteu­ren zusam­men: Schutz­su­chen­de wer­den auf See abge­fan­gen, nach Liby­en zurück­ge­zwun­gen und lan­den dort in einem Sys­tem aus Haft, Fol­ter und Gewalt. Die­se Zusam­men­ar­beit ist einer der blu­tigs­ten Deals der Euro­päi­schen Uni­on. Die Kom­pli­zen­schaft mit ver­bre­che­ri­schen Mili­zen muss sofort aufhören!“

Vom 19. bis 21. Mai 2026 prüft der Inter­na­tio­na­le Straf­ge­richts­hof in Den Haag, ob die Ankla­ge der Staats­an­walt­schaft gegen El Hishri zur Haupt­ver­hand­lung zuge­las­sen wird. El Hishri soll eine füh­ren­de Rol­le inner­halb der Miliz SDF/RADA gespielt und im berüch­tig­ten Miti­ga-Gefäng­nis in Tri­po­lis über Jah­re schwers­te Ver­bre­chen began­gen, ange­ord­net und beauf­sich­tigt haben. Ihm wer­den Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit und Kriegs­ver­bre­chen vor­ge­wor­fen, dar­un­ter Fol­ter, sexua­li­sier­te Gewalt, Ver­skla­vung und Mord.

Zu den mut­maß­li­chen Opfern gehö­ren neben liby­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen auch Geflüch­te­te, die von der soge­nann­ten liby­schen Küs­ten­wa­che auf dem Mit­tel­meer abge­fan­gen und in das Miti­ga-Gefäng­nis gebracht wur­den. Genau hier liegt die euro­päi­sche Mitverantwortung.

Sys­te­ma­ti­sche Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen mit euro­päi­scher Unterstützung

El Hishri wur­de im Juli 2025 in Deutsch­land ver­haf­tet und nach Den Haag an den Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof über­stellt. PRO ASYL begrüßt, dass ein mut­maß­li­cher Ver­ant­wort­li­cher für schwers­te Ver­bre­chen zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den soll. Doch es reicht nicht, ein­zel­nen Tätern den Pro­zess zu machen. Auch das Sys­tem, das die­se Ver­bre­chen ermög­licht, muss been­det wer­den – ein­schließ­lich der euro­päi­schen Poli­tik, die die­ses Sys­tem stützt.

PRO ASYL for­dert des­halb: Die Bun­des­re­gie­rung und die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on müs­sen jede Unter­stüt­zung für die soge­nann­te liby­sche Küs­ten­wa­che sofort been­den. Wer Akteu­re aus­rüs­tet, trai­niert oder poli­tisch legi­ti­miert, die Schutz­su­chen­de abfan­gen, Ret­tungs­schif­fe bedro­hen und Men­schen nach Liby­en zurück­zwin­gen, trägt die vol­le Mit­ver­ant­wor­tung für die­se Menschenrechtsverbrechen.

In einer gemein­sa­men Erklä­rung von PRO ASYL und ande­ren zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen for­mu­liert ein süd­su­da­ne­si­scher Über­le­ben­der des Miti­ga-Gefäng­nis­ses sei­ne Erwar­tun­gen an den Prozess:

“Was sagen wir jeman­dem, der auf See von der soge­nann­ten liby­schen Küs­ten­wa­che gewalt­sam abge­fan­gen, durch ein mit euro­päi­scher Unter­stüt­zung finan­zier­tes und koor­di­nier­tes Sys­tem nach Liby­en zurück­ge­bracht und spä­ter von Mili­zen wie der Rada unter El Hishri ver­sklavt, gefol­tert oder zwangs­wei­se rekru­tiert wur­de? Wir hof­fen, dass die­ser Pro­zess nicht nur ein­zel­ne Täter zur Rechen­schaft zieht, son­dern auch das umfas­sen­de­re Sys­tem in Fra­ge stellt, das sol­che Ver­bre­chen erst mög­lich gemacht hat.“

Hin­weis

Die Initia­ti­ve “Refu­gees in Libya” ruft für den 18. Mai 2026 um 11 Uhr zu einer Kund­ge­bung vor dem Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof in Den Haag auf. Die von Über­le­ben­den getra­ge­ne Akti­on for­dert Gerech­tig­keit für die Opfer liby­scher Haft­la­ger – und die Auf­klä­rung der euro­päi­schen Mitverantwortung.

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