22.09.2026

PRO ASYL kri­ti­siert die Ankün­di­gun­gen von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Alex­an­der Dob­rindt, dass sowohl Abschie­bun­gen als auch geför­der­te Rück­füh­run­gen nach Syri­en aus­ge­wei­tet wer­den sollen.

„Die Ankün­di­gung von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Alex­an­der Dob­rindt, den Schutz­sta­tus von immer mehr Syrer*innen aberken­nen zu las­sen und dabei ins­be­son­de­re ‚allein­rei­sen­de jun­ge Män­ner’ in den Blick zu neh­men, ist alar­mie­rend. Über den Schutz eines Men­schen ent­schei­den weder poli­ti­sche Ziel­vor­ga­ben noch Fra­gen, ob jemand sei­nen Lebens­un­ter­halt bestrei­ten kann – ent­schei­dend ist die Situa­ti­on und indi­vi­du­el­le Gefähr­dung im Her­kunfts­land. Wer über Wider­ru­fe und Abschie­bun­gen nach Syri­en spricht, muss zuvor über die Rea­li­tät vor Ort spre­chen. Und die ist nach wie vor insta­bil und gefähr­lich”, sagt Tareq Alaows, flücht­lings­po­li­ti­scher Spre­cher von PRO ASYL.

Die poli­ti­schen Ver­än­de­run­gen in Syri­en haben Hoff­nun­gen geweckt und in Tei­len des Lan­des auch Ver­än­de­run­gen ermög­licht. Sie dür­fen aber nicht mit Sicher­heit ver­wech­selt wer­den. Mil­lio­nen Men­schen leben wei­ter­hin in Ver­trei­bung, Armut und exis­ten­zi­el­ler Not, wäh­rend staat­li­che Schutz­struk­tu­ren vie­ler­orts schwach, nicht ver­läss­lich oder selbst an Eska­la­tio­nen betei­ligt sind.

Die­se Rea­li­tät muss Aus­gangs­punkt jeder asyl­recht­li­chen Ent­schei­dung sein. Für den Wider­ruf eines Schutz­sta­tus gel­ten kla­re recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen: Die Ver­än­de­run­gen im Her­kunfts­land müs­sen wesent­lich und dau­er­haft sein und der indi­vi­du­el­le Schutz­be­darf muss tat­säch­lich ent­fal­len sein. Pau­scha­le Kate­go­rien wie Alter, Geschlecht, Fami­li­en­stand oder Arbeits­fä­hig­keit kön­nen die­se Prü­fung nicht ersetzen.

Hin­ter­grund: Zur Lage in Syrien

Mehr als andert­halb Jah­re nach dem Sturz des Assad-Regimes bleibt Syri­en ein von Krieg, Gewalt, Ver­trei­bung und dem Zusam­men­bruch grund­le­gen­der Infra­struk­tur gezeich­ne­tes Land. Loka­le Gewalt­aus­brü­che und bewaff­ne­te Aus­ein­an­der­set­zun­gen haben auch 2026 erneut Zehn­tau­sen­de Men­schen ver­trie­ben. Mehr als fünf Mil­lio­nen Men­schen sind wei­ter­hin inner­halb Syri­ens auf der Flucht. Vie­le Rück­keh­ren­de kom­men an Orte zurück, in denen Wohn­raum zer­stört ist, Arbeits­mög­lich­kei­ten feh­len und grund­le­gen­de staat­li­che Dienst­leis­tun­gen kaum funktionieren.

Die Zah­len zur huma­ni­tä­ren Situa­ti­on spre­chen eine deut­li­che Spra­che: Rund 15,6 Mil­lio­nen Men­schen sind 2026 auf huma­ni­tä­re Hil­fe ange­wie­sen – dar­un­ter 7,2 Mil­lio­nen Kin­der. 13,3 Mil­lio­nen Men­schen sind von Ernäh­rungs­un­si­cher­heit betrof­fen, davon lei­den 7,2 Mil­lio­nen akut dar­un­ter. Auch die Ver­sor­gung mit ele­men­ta­ren Gütern ist für Mil­lio­nen Men­schen nicht gewähr­leis­tet. Mehr als 10 Mil­lio­nen Men­schen haben kei­nen aus­rei­chen­den Zugang zu sau­be­rem Was­ser. Nur 57 Pro­zent der Kran­ken­häu­ser und 30 Pro­zent der Ein­rich­tun­gen der pri­mä­ren Gesund­heits­ver­sor­gung sind voll­stän­dig funk­ti­ons­fä­hig. Rund 2,7 Mil­lio­nen Kin­der gehen nicht zur Schule.

Beson­ders dra­ma­tisch ist die Situa­ti­on von Kin­dern: Rund 587.000 Kin­der unter fünf Jah­ren müs­sen wegen aku­ter Man­gel­er­näh­rung behan­delt wer­den, dar­un­ter etwa 96.000 schwer man­gel­er­nähr­te Kin­der. Gleich­zei­tig gefähr­den Minen und ande­re explo­si­ve Kriegs­res­te wei­ter­hin das Leben der Bevöl­ke­rung. Seit Dezem­ber 2024 wur­den nach UNICEF-Anga­ben min­des­tens 252 Kin­der dadurch getö­tet und wei­te­re 601 verletzt.

Hin­zu kommt eine wei­ter­hin fra­gi­le Sicher­heits­la­ge. Die Gewalt­es­ka­la­tio­nen der ver­gan­ge­nen Mona­te in ver­schie­de­nen Lan­des­tei­len zei­gen, wie wenig belast­bar die ver­meint­li­che Sta­bi­li­sie­rung ist. Allein die Kämp­fe in Alep­po, Raq­qa und Hasa­ka führ­ten Anfang 2026 zur Ver­trei­bung von mehr als 170.000 Men­schen. Die Gewalt in Suwei­da hat­te bereits im Som­mer 2025 rund 187.000 Men­schen zur Flucht gezwungen.

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