04.06.2026

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) hat heu­te klar­ge­stellt, dass auch Asyl­su­chen­de, deren Antrag wegen der Zustän­dig­keit eines ande­ren EU-Staa­tes (Dub­lin-Ver­fah­ren) abge­lehnt wur­de und die auf ihre Über­stel­lung war­ten, Anspruch auf einen ange­mes­se­nen Lebens­stan­dard haben. 

Die­ser umfasst nicht nur Unter­kunft, Ver­pfle­gung und Hygie­ne, son­dern auch Klei­dung sowie Geld­leis­tun­gen für den täg­li­chen Bedarf. Die Ver­pflich­tung zur Gewähr­leis­tung eines ange­mes­se­nen Lebens­stan­dards endet erst mit der tat­säch­li­chen Über­stel­lung in den zustän­di­gen Mitgliedstaat.

“Jah­re­lang hat Deutsch­land asyl­su­chen­den Men­schen ihnen zuste­hen­de Leis­tun­gen ver­wei­gert, um Här­te gegen soge­nann­te Dub­lin-Fäl­le zu zei­gen. Jetzt ist klar: Das ist euro­pa­rechts­wid­rig und ein hand­fes­ter Skan­dal. Die aktu­el­le Rege­lung ist sogar noch kras­ser, denn seit 2024 gilt ein kom­plet­ter Leis­tungs­aus­schluss, wenn ein ande­rer Mit­glied­staat als für das Asyl­ver­fah­ren zustän­dig fest­ge­stellt wur­de. Die Bun­des­re­gie­rung muss sofort han­deln und die­ser Leis­tungs­ver­wei­ge­rung ein Ende set­zen”, for­dert Wieb­ke Judith, rechts­po­li­ti­sche Spre­che­rin von PRO ASYL.

Der EuGH betont aus­drück­lich, dass die deut­sche Rege­lung der Leis­tungs­ein­schrän­kung für Dub­lin-Fäl­le nicht mit dem Anspruch der Auf­nah­me­richt­li­nie, ein men­schen­wür­di­ges Leben für Asyl­su­chen­de in allen Mit­glied­staa­ten zu garan­tie­ren, ver­ein­bar ist. Die Ent­schei­dung ist damit eine kla­re Absa­ge an pau­scha­le Rege­lun­gen, die die Leis­tun­gen für Asyl­su­chen­de auf „Bett, Brot und Sei­fe“ redu­zie­ren – oder sogar kom­plett strei­chen. Geld­leis­tun­gen sei­en not­wen­dig, um ein Min­dest­maß an Selbst­be­stim­mung zu ermög­li­chen – etwa für Fahr­kar­ten, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel oder ande­re all­täg­li­che Bedar­fe – und um sozia­le und kul­tu­rel­le Teil­ha­be zu sichern. Dies schütz­te auch die phy­si­sche und psy­chi­sche Gesund­heit der Betroffenen.

Wor­um ging es in dem Verfahren?

In dem Ver­fah­ren vor dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) ging es um die Fra­ge, ob Deutsch­land Asyl­su­chen­den nach einer Dub­lin-Ableh­nung die Sozi­al­leis­tun­gen kür­zen darf. Der Klä­ger ist ein Afgha­ne, der 2021 in Deutsch­land einen Asyl­an­trag stell­te. Sein Asyl­an­trag wur­de 2022 mit Ver­weis auf die Zustän­dig­keit Rumä­ni­ens abge­lehnt, danach wur­den sei­ne Sozi­al­leis­tun­gen gekürzt. Kon­kret betrifft der Fall die frü­he­re Rege­lung des § 1a Abs. 7 Asyl­bLG, nach der Betrof­fe­ne nur noch Leis­tun­gen für Unter­kunft, Ernäh­rung, Gesund­heits­ver­sor­gung sowie gege­be­nen­falls Klei­dung erhiel­ten („Bett, Brot, Sei­fe“). Der sozio­kul­tu­rel­le Teil des Exis­tenz­mi­ni­mums wur­de gestri­chen. Die­ser Leis­tungs­kür­zung erteil­te der EuGH eine kla­re Absage.

Die kon­kre­te deut­sche Rege­lung wur­de in der Zwi­schen­zeit sogar noch ver­schärft: Seit 2024 sieht das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz für soge­nann­te Dub­lin-Fäl­le und für in ande­ren EU-Staa­ten aner­kann­te Flücht­lin­ge einen voll­stän­di­gen Leis­tungs­aus­schluss vor. Vie­le Gerich­te betrach­ten des­halb die Ent­schei­dung des EuGH heu­te als rich­tungs­wei­send für die Beur­tei­lung der aktu­el­len Rechtslage.

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