09.06.2026

Zum Abschie­be­flug nach Afgha­ni­stan, der auf Druck der Tali­ban abge­sagt wur­de, äußert sich Helen Reze­ne, Geschäfts­füh­re­rin von PRO ASYL:

Der abge­sag­te Abschie­be­flug nach Kabul zeigt, wie gefähr­lich der der­zei­ti­ge Kurs der Bun­des­re­gie­rung ist: Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan sind kein tech­ni­scher Vor­gang, sie machen die Tali­ban zum Ver­hand­lungs­part­ner. Wer nach Afgha­ni­stan abschie­ben will, begibt sich in poli­ti­sche Abhän­gig­keit von einem isla­mis­ti­schen Regime, das Men­schen­rech­te sys­te­ma­tisch verletzt.

Rück­füh­run­gen sind längst Teil poli­ti­scher und kon­su­la­ri­scher Ver­hand­lun­gen: Nach einem Abschie­be­flug sprach das Tali­ban-Außen­mi­nis­te­ri­um von aus­führ­li­chen Gesprä­chen mit Deutsch­land und kün­dig­te wei­te­re Ver­hand­lun­gen über kon­su­la­ri­sche Dienst­leis­tun­gen an. Das heißt: Rück­füh­run­gen wer­den zur Ver­hand­lungs­mas­se. Aus Ver­hand­lun­gen wer­den Zuge­ständ­nis­se. Aus Zuge­ständ­nis­sen wird Normalisierung.

Ein Regime, das Frau­en und Mäd­chen ent­rech­tet, Oppo­si­tio­nel­le ver­folgt, freie Medi­en bekämpft und grund­le­gen­de Men­schen­rech­te miss­ach­tet, darf nicht durch deut­sche oder euro­päi­sche Abschie­be­deals auf­ge­wer­tet wer­den. Auch die geplan­ten Gesprä­che auf EU-Ebe­ne über Rück­füh­run­gen wür­den die Tali­ban wei­ter nor­ma­li­sie­ren – wer mit einem sol­chen Regime über Abschie­bun­gen ver­han­delt, macht euro­päi­sche Wer­te zur Verhandlungsmasse.

Afgha­ni­stan ist nicht sicher. Nie­mand darf in ein Land abge­scho­ben wer­den, in dem Ver­fol­gung, Miss­hand­lung oder ernied­ri­gen­de Behand­lung dro­hen. Das Abschie­bungs­ver­bot ist nicht ver­han­del­bar, son­dern gel­ten­des Menschenrecht.

Die Bun­des­re­gie­rung und die EU müs­sen die­sen fata­len Kurs stop­pen: kei­ne Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan, kei­ne Abschie­be­deals mit den Tali­ban, kei­ne Nor­ma­li­sie­rung eines Regimes, das Men­schen­rech­te sys­te­ma­tisch verletzt.

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