21.05.2026

Heu­te, am 21. Mai 2026, wur­de der „Grund­rech­te-Report 2026 – Zur Lage der Bür­ger- und Men­schen­rech­te in Deutsch­land“ in der Stif­tung Forum Recht in Karls­ru­he der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt. PRO ASYL gehört seit vie­len Jah­ren zum Kreis der Herausgeber*innen.

Die Jubi­lä­ums­aus­ga­be des 30. Grund­rech­te-Reports behan­delt die Gefähr­dung von Grund- und Men­schen­rech­ten im Jahr 2025. Peter von Auer, rechts­po­li­ti­scher Refe­rent von PRO ASYL und Redak­ti­ons­mit­glied, stellt fest:

„Der Druck auf die Grund­rech­te in Deutsch­land zeigt sich ein­mal mehr beson­ders bei geflüch­te­ten Men­schen. Von den rechts­wid­ri­gen Zurück­wei­sun­gen von Schutz­su­chen­den an deut­schen Bin­nen­gren­zen über die Aus­set­zung des Fami­li­en­nach­zugs bis hin zur ver­wei­ger­ten Auf­nah­me beson­ders gefähr­de­ter Men­schen aus Afgha­ni­stan. Die neue Regie­rung hat in ihrem ers­ten Amts­jahr an den Rech­ten von Schutz­be­dürf­ti­gen gesägt. Beson­ders kri­tisch ist die Ent­wick­lung, dass selbst ein­deu­ti­ge Gerichts­ur­tei­le nicht zu einer Ände­rung der Poli­tik und Pra­xis füh­ren, wie das Bei­spiel der VG-Ber­lin-Beschlüs­se zu den Zurück­wei­sun­gen zeigt.“

Zusam­men­fas­sung des Reports

Im Ange­sicht zahl­rei­cher natio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Kri­sen grei­fen staat­li­che Stel­len „zu den Waf­fen“: Zum einen bewaff­net sich der Staat durch Son­der­ver­mö­gen mit Rekord­aus­ga­ben für Mili­tär und durch eine Stär­kung der Bun­des­wehr – und greift dabei in Grund­rech­te der Bürger*innen ein. Gleich­zei­tig wei­ten Bund und Län­der ihre Über­wa­chungs- und Ein­griffs­be­fug­nis­se für Poli­zei, Geheim­diens­te und ande­re Behör­den aus, von Staats­tro­ja­nern über Daten­ana­ly­sen mit Palan­tirs „Got­ham“ bis zu bio­me­tri­schen Abglei­chen und auto­ma­ti­scher Gesichts­er­ken­nung. Dane­ben ver­schär­fen sich die Kri­sen für die Men­schen­rech­te mit Blick auf den Woh­nungs­man­gel, den Kli­ma­wan­del, die Rech­te von Geflüch­te­ten und Men­schen am Ran­de des Existenzminimums.

Stim­men von der heu­ti­gen Pres­se­kon­fe­renz zum Grundrechte-Report

Her­ta Däub­ler-Gme­lin, Rechts­an­wäl­tin, frü­he­re Bun­des­mi­nis­te­rin der Jus­tiz und lang­jäh­ri­ge Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te, prä­sen­tier­te den Grund­rech­te-Report. Sie hob die aktu­ell immense Bedeu­tung des Grund­rechts­schut­zes her­vor: „In unse­rer Zeit ist Sor­ge um die Wirk­sam­keit der Grund- und Men­schen­rech­te beson­ders gebo­ten. Nicht allein wegen der Aggres­si­ons­krie­ge, Kon­flik­te und immer noch zuneh­men­den auto­ri­tä­ren Ten­den­zen, son­dern auch, weil glo­ba­le – tech­ni­sche – Stan­dards, z.B. in KI-Sys­te­men, trotz ihrer Nütz­lich­keit und Bequem­lich­keit immer häu­fi­ger unse­re Frei­heits­rech­te ein­engen – oder auch die Mit­be­stim­mungs­rech­te von Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mern gefährden.“

Ahmad Mosa­mem Rahi­mi, der vor den Tali­ban flie­hen muss­te, berich­te­te über den Umgang der Bun­des­re­gie­rung mit ihm und ande­ren Afghan*innen, denen Deutsch­land Schutz zuge­sagt hat­te: „Obwohl ich alle mei­ne Unter­la­gen hat­te und mir ver­spro­chen wor­den war, dass ich nach Deutsch­land kom­men dür­fe, war­te­te ich in Paki­stan fast zwei Jah­re lang auf mein Visum. Wäh­rend die­ser Zeit wuss­te ich nicht, ob und wann ich nach Deutsch­land ein­rei­sen könn­te oder ob die paki­sta­ni­sche Poli­zei mich nach Afgha­ni­stan zurück­schi­cken wür­de, wo ich der Ver­fol­gung durch die Tali­ban aus­ge­setzt wäre. Wäh­rend die­ser gan­zen Zeit muss­te ich Aus­beu­tung, Miss­hand­lung und einen tie­fen Man­gel an Respekt erdulden.“

Leo D’Andola, Schü­ler, berich­te­te über die Schul­streiks gegen die Wehr­pflicht: „Oft redet die Bun­des­re­gie­rung, wenn sie bei­spiels­wei­se über das Wehr­dienst­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz spricht, über Sicher­heit. Aber wir Jugend­li­che füh­len uns nicht sicher – nicht, wenn wir einen Fra­ge­bo­gen bekom­men, den wir für die Bun­des­wehr aus­fül­len müs­sen; nicht, wenn wir der Bun­des­re­gie­rung mit­tei­len müs­sen, wenn wir für län­ge­re Zeit ins Aus­land gehen; und nicht, wenn wir über die kom­men­den Maß­nah­men nach­den­ken – über Mus­te­rung, Samm­lung unse­rer per­sön­li­chen Daten und die mög­li­che Wie­der­ein­füh­rung der Wehrpflicht.“

Athe­na Möl­ler, Jura-Stu­den­tin und Vor­stands­mit­glied der Inter­na­tio­na­len Liga für Men­schen­rech­te, führ­te für die Redak­ti­on durch die Ver­an­stal­tung. Sie stell­te fest: „Es ist zuneh­mend anma­ßend, von der Bevöl­ke­rung und ins­be­son­de­re der jün­ge­ren Gene­ra­ti­on Loya­li­tät gegen­über dem deut­schen Staat zu erwar­ten, wäh­rend die­ser ihre Grund­rech­te nicht aus­rei­chend wahrt. Obwohl die Grund­rech­te in 2025 besorg­nis­er­re­gend oft und inten­siv ver­letzt wur­den, schei­nen Poli­tik und Staats­ap­pa­rat dies­be­züg­lich kaum Kon­se­quen­zen tra­gen zu müs­sen. Der Grund­rech­te-Report nimmt sie in die Pflicht und stellt klar, wel­che Vor­ge­hens­wei­sen aus wel­chen Grün­den zu bean­stan­den und zu ver­ur­tei­len sind.“

Erschei­nungs­da­tum und Bezugsmöglichkeiten

Das Buch ist ab dem 27. Mai 2026 über den Buch­han­del oder die Web­sei­te der Her­aus­ge­ber zu bezie­hen. Rezen­si­ons­exem­pla­re (auch als pdf) kön­nen über die Huma­nis­ti­sche Uni­on bestellt wer­den: service@humanistische-union.de.

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen

Der Report ver­steht sich als „alter­na­ti­ver Ver­fas­sungs­schutz­be­richt“ und bespricht Ent­schei­dun­gen von Par­la­men­ten, Behör­den und Gerich­ten und von Privatunternehmen.

Der Grund­rech­te-Report 2026 wur­de von Peter von Auer, Nina Diar­ra, Fran­zis­ka Gör­litz, Rolf Göss­ner, Max Put­zer, Rai­ner Rehak, The­re­sa Tschen­ker, Lea Welsch, Rose­ma­rie Will und Mic­hè­le Wink­ler herausgegeben.

Er ist ein Pro­jekt von zehn Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen: Huma­nis­ti­sche Uni­on, ver­ei­nigt mit der Gus­tav Hei­ne­mann-Initia­ti­ve • Bun­des­ar­beits­kreis Kri­ti­scher Jura­grup­pen • Inter­na­tio­na­le Liga für Men­schen­rech­te • Komi­tee für Grund­rech­te und Demo­kra­tie • Neue Richter*innenvereinigung • PRO ASYL • Repu­bli­ka­ni­scher Anwäl­tin­nen-und Anwäl­te­ver­ein • Ver­ei­ni­gung Demo­kra­ti­scher Jurist:innen • Forum Infor­ma­ti­ke­rIn­nen für Frie­den und gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung • Gesell­schaft für Frei­heits­rech­te e.V.

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