15.01.2026

Obwohl die Men­schen­rechts­la­ge in Län­dern wie Afgha­ni­stan und dem Iran kata­stro­phal ist und die Sicher­heits­la­ge in Syri­en wei­ter­hin pre­kär, erhal­ten Flücht­lin­ge aus die­sen Län­dern im Asyl­ver­fah­ren in Deutsch­land immer sel­te­ner bezie­hungs­wei­se kaum noch Schutz: Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) lehnt ihre Asyl­an­trä­ge rei­hen­wei­se ab – bei Men­schen aus Syri­en im Jahr 2025 sogar zu 95 Pro­zent; bei Flücht­lin­gen aus dem Iran wer­den 73 Pro­zent der Anträ­ge abge­lehnt. Auch das ver­birgt sich in den Asyl­zah­len 2025, die die Behör­de die­ser Tage veröffentlichte.

„In Syri­en set­zen auch die neu­en Macht­ha­ber auf Gewalt und Unter­drü­ckung, im Iran und in Afgha­ni­stan tun das die herr­schen­den Ter­ror­re­gime nach wie vor. Des­halb ist es beun­ru­hi­gend, dass Deutsch­land immer mehr Men­schen, die vor der kata­stro­pha­len Men­schen­rechts­la­ge in ihren Län­dern flie­hen, den Schutz ver­wei­gert. Dahin­ter ste­hen in ers­ter Linie poli­ti­sche Moti­ve in Deutsch­land, kei­ne Ver­bes­se­run­gen der Lage im Her­kunfts­land. Das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge droht, eine Ableh­nungs­ma­schi­ne zu wer­den“, sagt Karl Kopp, Geschäfts­füh­rer von PRO ASYL.

Im Jahr 2025 stell­ten 113.000 Men­schen erst­mals einen Asyl­an­trag in Deutsch­land. Im Ver­gleich zum Vor­jahr (2024) ging die Zahl um die Hälf­te (51 Pro­zent) zurück. Das ist die nied­rigs­te Zahl von Asyl­su­chen­den seit dem Coro­na-Jahr 2020, als die Gren­zen geschlos­sen waren. Lässt man das Pan­de­mie-Jahr weg, ist es sogar die nied­rigs­te Zahl seit 2013.

Neu nach Deutsch­land ein­ge­reist sind aber noch deut­lich weni­ger Asyl­su­chen­de, da vie­le Asyl­an­trä­ge für hier gebo­re­ne Kin­der gestellt wer­den, häu­fig von bereits seit Jah­ren hier aner­kann­ten Flücht­lin­gen. Mit 96.000 liegt die Zahl der neu ein­ge­reis­ten Asyl­su­chen­den sogar unter dem Wert von 100.000.

Nach Anga­ben des BAMF lag die Gesamt­schutz­quo­te 2025 bei 28 Pro­zent. Aus­sa­ge­kräf­ti­ger für die Gewäh­rung von Schutz ist jedoch die berei­nig­te Schutz­quo­te, bei der die soge­nann­ten for­mel­len Erle­di­gun­gen abge­zo­gen wer­den. For­mel­le Erle­di­gun­gen bedeu­tet, dass Asyl­grün­de nicht geprüft wer­den, weil zum Bei­spiel ein ande­rer EU-Staat für den Antrag zustän­dig ist. In den inhalt­lich über­prüf­ten Fäl­len lag die Schutz­quo­te bei 38 Pro­zent, ein sehr deut­li­cher Rück­gang im Ver­gleich zu 2024, als 59 Pro­zent Schutz erhielten.

Trotz unsi­che­rer Lage in Syri­en: 95 Pro­zent der Asyl­an­trä­ge wer­den abgelehnt 

Der Haupt­grund für den Rück­gang der Gesamt­schutz­quo­te ist die ver­än­der­te Lage in Syri­en nach dem Sturz von Dik­ta­tor Assad. Zunächst hat­te das BAMF alle Ent­schei­dun­gen gestoppt, seit Okto­ber 2025 hat es wie­der damit begon­nen, in grö­ße­rem Umfang über Asyl­an­trä­ge von Men­schen aus Syri­en zu ent­schei­den – und lehnt mit rund 95 Pro­zent fast alle Anträ­ge ab. Nur in fünf Pro­zent der inhalt­lich geprüf­ten Fäl­le wur­de ein Schutz­sta­tus erteilt – trotz Gewalt, poli­ti­scher Unter­drü­ckung, bewaff­ne­ter Mili­zen und mas­si­ver huma­ni­tä­rer Not in Syrien.

Hohe Ableh­nungs­quo­ten für afgha­ni­sche Männer

Auch beim Haupt­her­kunfts­land des ver­gan­ge­nen Jah­res, Afgha­ni­stan, zeigt sich eine dra­ma­ti­sche Ten­denz. Hier ist die berei­nig­te Schutz­quo­te mit 79 Pro­zent zwar noch hoch – jedoch auch um fast 15 Pro­zent gesun­ken. Die meis­ten posi­ti­ven Ent­schei­dun­gen ergin­gen in den über 40.000 Fol­ge­asyl­an­trä­gen, die nach einem EuGH-Urteil über­wie­gend von afgha­ni­schen Frau­en gestellt wur­den. Afgha­ni­sche Frau­en erhal­ten seit­her in fast allen Fäl­len die Flüchtlingsanerkennung.

Stark gesun­ken ist jedoch im Lau­fe des Jah­res 2025 die Schutz­quo­te für afgha­ni­sche Män­ner. 2024 lag die Quo­te noch bei 91 Pro­zent, bis zur Jah­res­mit­te 2025 nur noch bei 50 Pro­zent. Ange­sichts des­sen, dass im Juni nur noch 34 Pro­zent der Män­ner Schutz erhal­ten haben, geht PRO ASYL davon aus, dass inzwi­schen mehr als zwei Drit­tel der afgha­ni­schen Män­ner im Asyl­ver­fah­ren abge­lehnt werden.

Iran: Nur jeder Vier­te bekommt Schutz 

Auch beim Iran ist die Schutz­quo­te ange­sichts der dra­ma­ti­schen Men­schen­rechts­la­ge im Land mit nur 27 Pro­zent nicht nach­voll­zieh­bar. Der­zeit geht das Regime mit gro­ßer Här­te gegen die Mas­sen­pro­tes­te vor. Doch das tun die Macht­ha­ber in Tehe­ran seit Jah­ren. Dass das BAMF trotz­dem fast drei Vier­tel aller Schutz­ge­su­che aus dem Iran kom­plett ablehnt, ist schlicht skandalös.

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