29.09.2020
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Das selbstorganisierte Camp PIKPA auf Lesbos - einer der wenigen Orte, an denen Schutzsuchende menschenwürdig unterkommen konnten. Foto: PIKPA Community

Derzeit gibt es auch auf Lesbos noch humanitäre Gegenentwürfe zu den katastrophalen Bedingungen in Massenlagern wie Moria 2.0: Das selbstorganisierte Camp »PIKPA«, aber auch die reguläre Einrichtung »Kara Tepe«. Die griechische Regierung hat nun angekündigt, diese zu schließen - ein Vorgeschmack auf die Neuausrichtung der europäischen Asylpolitik.

Am 23.09 hat der grie­chi­sche Minis­ter für Migra­ti­on ange­kün­digt, das Camp »PIKPA« auf Les­bos bis zum 31.10 zu schlie­ßen. Auch die regu­lä­re Unter­brin­gungs­ein­rich­tung »Kara Tepe« soll bis zum Ende des Jah­res ihren Betrieb ein­stel­len. In bei­den Camps fin­den der­zeit beson­ders schutz­be­dürf­ti­ge Men­schen eine Unter­brin­gung in Wür­de und unter Wah­rung ihrer Grund­rech­te. PRO ASYL und RSA rufen dazu auf, die letz­ten huma­nen Unter­brin­gun­gen für vul­nerable Schutz­su­chen­de auf Les­bos zu ver­tei­di­gen!

Schließung zeitgleich mit dem »New Pact« verkündet

Die Ankün­di­gung zur Schlie­ßung erging am Tag der Vor­stel­lung des »New Pact on Migra­ti­on and Asyl­um« durch EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin von der Ley­en. Trotz der Erfah­run­gen der ver­gan­ge­nen fünf Jah­re ver­schärft die Kom­mis­si­on in die­sem Pakt die Plä­ne für geschlos­se­ne Lager an den EU-Außen­gren­zen. Das abge­brann­te Lager Moria wird zur Blau­pau­se die­ser Poli­tik.

Im glei­chen Atem­zug wur­den die Plä­ne kon­kre­ti­siert, das neue Zelt­la­ger »Kara Tepe« (Moria 2.0) als ein euro­päi­sches Pilot­pro­jekt unter die Lei­tung einer Taskfor­ce aus EU-Kom­mis­si­on und grie­chi­scher Regie­rung zu stel­len. Die dro­hen­den Schlie­ßun­gen zei­gen: Moria 2.0 soll alter­na­tiv­los sein – auch für die Schutz­be­dürf­tigs­ten.

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Jetzt unse­re Peti­ti­on an die EU-Abge­ord­ne­ten unter­schrei­ben!

Katastrophale Lage im neuen Moria

Bereits jetzt ist die Lage im neu­en Lager kata­stro­phal. Die Zelt­stadt ist auf einem Schieß­übungs­platz errich­tet wor­den. Nahe der Küs­te sind über 9000 Men­schen den Wit­te­run­gen aus­ge­lie­fert, bei Sturm dro­hen Über­schwem­mun­gen. Dut­zen­de Men­schen sind zusam­men im glei­chen Zelt unter­ge­bracht, die Ver­sor­gung mit dem Not­wen­digs­ten bleibt man­gel­haft.

PIKPA: Positives Beispiel für Unterbringung

PIKPA ist eines der posi­tivs­ten Bei­spie­le, wie Unter­brin­gung für Schutz­su­chen­de orga­ni­siert wer­den kann. Seit 2012 fan­den in dem Camp, das haupt­säch­lich durch ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment getra­gen wird, mehr als 30.000 beson­ders vul­nerable Schutz­su­chen­de – wie Fami­li­en mit klei­nen Kin­dern, Opfer von Fol­ter und Men­schen mit Behin­de­rung – ein Zuhau­se auf Zeit. Refu­gee Sup­port Aege­an (RSA), unser Team in Grie­chen­land, arbei­tet vor Ort eng mit PIKPA zusam­men und hat in zahl­rei­chen Fäl­len recht­li­che und psy­cho­lo­gi­sche Unter­stüt­zung für die Bewohner*innen in PIKPA geleis­tet.

PRO ASYL und RSA erklä­ren sich soli­da­risch mit PIKPA und unter­stüt­zen die For­de­run­gen von Les­vos Soli­da­ri­ty. Wir appel­lie­ren an den grie­chi­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Mit­sota­kis, Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin von der Ley­en und Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel, sich gegen die Schlie­ßun­gen von »PIKPA« und dem alten Lager »Kara Tepe« ein­zu­set­zen und die wür­de­vol­le Unter­brin­gung der Bewohner*innen zu garan­tie­ren!

(rsa)