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Mit Urkunden und Skulpturen: Die Preisträger*innen des Menschenrechtspreises 2026 der Stiftung PRO ASYL (v.l.) Giorgos Tsarbopoulos, Pırıl Erçoban und Taner Kılıç mit Halima Gutale (2.v.l.), Vorsitzende des Stiftungsrats der Stiftung PRO ASYL. Foto: PRO ASYL/Lara Scheunemann

Drei Persönlichkeiten, die Schutzsuchende unterstützen, Menschenrechtsverletzungen öffentlich benennen und rechtsstaatliche Garantien verteidigen. Für ihren Einsatz für Flüchtlingsrechte erhielten Giorgos Tsarbopoulos, Pırıl Erçoban und Taner Kılıç den Menschenrechtspreis der Stiftung PRO ASYL.

»Ihr schaut nicht weg. Ihr fin­det euch nicht damit ab, dass Recht gebro­chen und mensch­li­ches Leid poli­tisch in Kauf genom­men wird. Ihr macht sicht­bar, was ande­re lie­ber im Ver­bor­ge­nen hal­ten wür­den. Und ihr zeigt, dass Men­schen­rech­te nur dann Bestand haben, wenn Men­schen bereit sind, sie zu ver­tei­di­gen« wür­digt Hali­ma Gut­ale, Vor­sit­zen­de des Stif­tungs­rats, die drei Preisträger*innen.

Deren Enga­ge­ment ist auch des­halb beson­ders, weil es in Staa­ten erfolgt, in denen Leid und Not von Schutz­su­chen­den oft beson­ders deut­lich sicht­bar wird und in denen die poli­ti­schen Umstän­de für Men­schen­rechts­ar­beit beson­ders schwie­rig sind.

Drei Stimmen für die Menschenrechte

Taner Kılıç ist ein Rechts­an­walt aus Izmir. Er gehört zu den Mit­be­grün­dern der tür­ki­schen Sek­ti­on von Amnes­ty Inter­na­tio­nal und der Orga­ni­sa­ti­on Mül­teci-Der. Weil er Men­schen­rech­te ver­tei­dig­te, geriet er selbst ins Visier der tür­ki­schen Jus­tiz: 2017 wur­de er fest­ge­nom­men, mehr als 14 Mona­te in Unter­su­chungs­haft gehal­ten und 2020 ohne glaub­wür­di­ge Bewei­se zu sechs Jah­ren und drei Mona­ten Haft verurteilt.

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Taner Kılıç in Frank­furt. Foto: PRO ASYL / Lukas Metzger

Zitat: »Ich bereue nichts. Ich wür­de alles noch­mal ganz genau­so machen. Vie­le Men­schen haben das, was sie mit mir gemacht haben, mit­be­kom­men. Die­sen Kri­mi­na­li­sie­rungs­pro­zess. Das hat sich auch nega­tiv aus­ge­wirkt. Aber gleich­zei­tig habe ich sehr viel Soli­da­ri­tät erfah­ren. Auch des­we­gen bedeu­tet mir der Men­schen­rechts­preis von PRO ASYL so viel. Zu erle­ben, dass mei­ne Arbeit gese­hen wird, auch inter­na­tio­nal. Das berührt mich sehr.« 

Der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te stell­te fest, dass Kılıç rechts­wid­rig und will­kür­lich inhaf­tiert war und sei­ne Rech­te auf Frei­heit und Sicher­heit sowie auf Mei­nungs­frei­heit ver­letzt wur­den. Erst im Febru­ar 2025 ende­te das fast acht­jäh­ri­ge Ver­fah­ren mit sei­nem end­gül­ti­gen Freispruch.

Auch Pırıl Erço­ban gehör­te 2008 zu den Gründer*innen von Mül­teci-Der. Das ist die Kurz­form für Mül­teci­ler­le Dayanış­ma Der­neği, Ver­ein zur Soli­da­ri­tät mit Flücht­lin­gen. Es war die ers­te Orga­ni­sa­ti­on in der Tür­kei, die sich aus­schließ­lich dem Schutz Geflüch­te­ter wid­me­te. Pırıl Erço­ban war hier von 2009 bis 2024 Geschäftsführerin.

»Wir dür­fen nicht zulas­sen, dass der Wett­lauf, wel­ches Land Flücht­lin­ge schlech­ter behan­delt, zu Nor­ma­li­tät wird. Des­halb tra­gen wir Ver­ant­wor­tung. Die Ver­ant­wor­tung, wei­ter­hin für Men­schen­wür­de, Men­schen­rech­te und Rechts­staat­lich­keit ein­zu­ste­hen – selbst dann, wenn dies schwie­rig, unpo­pu­lär oder unbe­quem wird.« 

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Pırıl Erço­ban bei der Preis­ver­lei­hung in Frank­furt. Foto: PRO ASYL / Lukas Metzger

Als Koor­di­na­to­rin von Mül­teci-Der in Izmir beriet und beglei­te­te sie Schutz­su­chen­de, doku­men­tier­te Rechts­ver­let­zun­gen und mach­te Miss­stän­de bei Inhaf­tie­run­gen und Abschie­bun­gen öffent­lich. Früh warn­te sie vor der euro­päi­schen Poli­tik, die Ver­ant­wor­tung für den Flücht­lings­schutz an die Tür­kei aus­zu­la­gern. Seit mehr als zwei Jahr­zehn­ten ver­bin­det sie prak­ti­sche Soli­da­ri­tät und gro­ße Nähe zu den Betrof­fe­nen mit men­schen­recht­li­cher Klar­heit. Auch unter wach­sen­dem poli­ti­schem Druck.

Auf der ande­ren Sei­te der Ägä­is ist Gior­gos Tsa­r­bo­pou­los aktiv. Nach Sta­tio­nen beim UNHCR in meh­re­ren Län­dern des Glo­ba­len Südens über­nahm er 2006 die Lei­tung des grie­chi­schen Büros in Athen. In die­ser Zeit hate Gior­gos Tsa­r­bo­pou­los gro­ßen Ein­fluss dar­auf, dass es in Grie­chen­land zu einer umfas­sen­den struk­tu­rel­len Reform des Asyl­sys­tems kam, die 2011 schließ­lich ein unab­hän­gi­ges Asyl­sys­tem brach­te. Zudem mach­te er es zu sei­ner Ver­ant­wor­tung, die mas­si­ve staat­li­che Gewalt gegen­über Geflüch­te­ten an den Außen­gren­zen zu doku­men­tie­ren und zu skan­da­li­sie­ren. Er übte wie­der­holt Druck auf die Regie­rung aus und trug dadurch etwa zur Schlie­ßung eines Abschie­be­ge­fäng­nis­ses bei.

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Gior­gos Tsa­r­bo­pou­los bei der Tagung zu 40 Jah­re PRO ASYL. Foto: PRO ASYL / Lukas Metzger

»Wir erle­ben, dass ein gro­ßer Teil der Gesell­schaft gegen­über Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen oder sogar Ver­bre­chen gleich­gül­tig bleibt – wie etwa gegen­über dem Schiffs­un­glück von Pylos am 14. Juni 2023, bei dem mehr als 600 Men­schen ertran­ken. Des­halb ist es wich­tig, ein Netz­werk der Soli­da­ri­tät aufzubauen!« 

Gior­gos Tsa­r­bo­pou­los präg­te die UNHCR-Ver­tre­tung in Grie­chen­land als unab­hän­gi­ge men­schen­recht­li­che Stim­me: prä­sent an den Außen­gren­zen, eng ver­bun­den mit Flücht­lin­gen und Zivil­ge­sell­schaft und bereit, staat­li­chen Rechts­ver­let­zun­gen öffent­lich zu wider­spre­chen. Tsa­r­bo­pou­los pran­ger­te men­schen­un­wür­di­ge Haft­be­din­gun­gen und Push­backs an, doku­men­tier­te das Ver­schwin­den von Schutz­su­chen­den am Evros und setz­te sich nach dem töd­li­chen Schiffs­un­glück vor Farm­a­ko­ni­si 2014 dafür ein, die Aus­sa­gen der Über­le­ben­den unver­züg­lich zu sichern und den Vor­fall unab­hän­gig zu untersuchen.

Den Blick nicht nur zurück, sondern auch nach vorne richten!

Lau­da­tor Can Gülcü, Geschäfts­füh­rer der Otto Bren­ner Stif­tung, stell­te daher auch den Opti­mis­mus der Preisträger*innen in den Mit­tel­punkt sei­ner Wür­di­gung: »So naiv oder banal das klin­gen mag, ich glau­be, die hier Aus­ge­zeich­ne­ten wis­sen: Die Zukunft ist unge­schrie­ben. All das, was heu­te nicht gut ist, kön­nen wir mit­ein­an­der wie­der ver­än­dern.« 

Der PRO ASYL – Preis

Den Men­schen­rechts­preis ver­leiht die Stif­tung PRO ASYL seit 2006 jähr­lich an Per­so­nen, die sich in her­aus­ra­gen­der Wei­se für die Ach­tung der Men­schen­rech­te und den Schutz von Flücht­lin­gen in Deutsch­land und Euro­pa ein­set­zen. Der Preis ist mit 5.000 Euro und einer Skulp­tur des Künst­lers Ari­el Aus­len­der, Pro­fes­sor an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Darm­stadt, dotiert.