"Meinen Wunschzettel habe ich noch nicht geschrieben"
Artak Apresjan (19) lebt seit Jahren mit einer Duldung. Wir haben mit ihm über seine Situation und sein Leben gesprochen.
Artak, du lebst seit 1998, deinem 11. Lebensjahr, in Deutschland. Kannst du dich noch an Armenien erinnern?
Dunkel. Wir hatten ein gutes Leben, bis 1996. Mein Vater hat gut verdient, meine Mutter konnte sich intensiv um meine Tanzausbildung und die meiner Schwester kümmern. An die schrecklichen Dinge, die ab 1996 passiert sind, möchte ich mich gar nicht mehr erinnern. Ein schwarzes Loch. Mein Leben beginnt erst wieder zwei Jahre später, als ich meine Eltern nach unserer Flucht in Deutschland wiedertreffen konnte.
Fühlst du dich heute in Deutschland zu Hause?
Tja, ich würde sagen, zu 70 % vielleicht schon. Ich habe meine bewusste Lebenszeit hier verbracht. Aber trotzdem habe ich, glaube ich, zwei Heimatländer. In Armenien bin ich geboren. Deutschland ist mein Zuhause, aber nicht ganz. Sonst könnte ich alle die Dinge machen, die meine Freunde machen. Kann ich aber nicht. Zum Beispiel den Führerschein machen, darf ich nicht. Zum Beispiel eine Ausbildung, darf ich nicht. Wenn ich alles dürfte, dann würde ich mir selber gratulieren: Jetzt bist du zu Hause, herzlich willkommen. Bis jetzt habe ich das Gefühl nicht. ...
Stand: März 2006
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